PALÄSTINA »Arafat wird gewinnen«
SPIEGEL: Frankreich schlägt vor, einen Palästinenser-Staat anzuerkennen und dort Wahlen abzuhalten. Könnte das einen Durchbruch im Nahost-Konflikt bringen?
Schikaki: Ich sehe auch bei dieser Idee nicht, wie wir dem israelischen Premier Ariel Scharon einen akzeptablen Kompromiss abringen. Aber Wahlen in den palästinensischen Gebieten sind längst überfällig. Nach 17 Monaten Intifada wäre es außerdem an der Zeit, die Bürger über den weiteren Kurs zu befragen.
SPIEGEL: Steht die Bevölkerung noch hinter Jassir Arafat?
Schikaki: Die Legitimität der palästinensischen Führung ist angeschlagen, Präsident Arafat und seine Fatah haben viel an Popularität eingebüßt. Dagegen ist die Unterstützung für die lslamisten dramatisch gestiegen. Die Bürger sind auch frustriert, weil die Autonomiebehörde sie in der wirtschaftlichen und sozialen Krise allein lässt.
SPIEGEL: Dann ist die Sorge berechtigt, Wahlen könnten die islamistische Hamas an die Macht bringen?
Schikaki: Nein, die Hamas hat keine Mehrheit. Aber sie würde erstmals mit etlichen Sitzen ins Parlament einziehen und auch bei Kommunalwahlen gut abschneiden. Wenn Arafat antritt, wird er wieder gewinnen, daran zweifle ich nicht. Er ist immer noch die Identitätsfigur, mit dem das Volk zumindest eine gewisse Stabilität verbindet. Aber er würde an Stimmen einbüßen.
SPIEGEL: Was würde sich ändern?
Schikaki: Faktisch würden Wahlen das Ende der Intifada bedeuten. Denn ein Urnengang kann nur stattfinden, wenn Ruhe herrscht. Das Leben würde sich normalisieren, die Autonomiebehörde könnte in Gebieten, wo sie die Kontrolle verloren hat, wieder Fuß fassen. Und wir hätten einen Zugang für internationale Beobachter.
SPIEGEL: Es scheint, als habe der Machtkampf um das Erbe Arafats begonnen. Vergangene Woche kam es zu einer scharfen Konfrontation zwischen Arafat und seinem Sicherheitschef Dschibril Radschub, den er sogar geschlagen und mit der Waffe bedroht haben soll.
Schikaki: Die Nachfolgefrage ist eröffnet, aber in einem sehr frühen Stadium. Beim Streit mit Radschub geht es eher um die schwierige Lage der Sicherheitskräfte - sie sollen für Ruhe und Ordnung sorgen, aber Arafat gibt keine klare Order. Er will sich nicht die Hände schmutzig machen.