ASSI HAHN - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 31 / 41

Briefe

ASSI HAHN
• aus DER SPIEGEL 7/1952
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

ASSI HAHN

(Nr. 50/51, Deutschland)

Herr Hahn zitiert mich in seinem Buche »Ich spreche die Wahrheit« als Zeuge für seine Angaben. Herr Hahn wollte die Wahrheit sagen. Was er sagt, sind Teilwahrheiten.

Alles, was ihn irgendwie so zeigt, wie er wirklich war, verschweigt er. Nur das, was zur Glorifizierung seiner Person beitragen kann, beschreibt er in aller Ausführlichkeit. Um das zu erreichen, kommt es ihm nicht darauf an, die Ereignisse so zurecht zu rücken, wie er gerne hätte, daß sie gewesen wären.

Ich bin zusammen mit Hahn 1943 aus dem Gefängnis in Moskau gekommen. Ich war ihm völlig ergeben. Auf Grund meiner Jugend und meiner Erziehung in der HJ revoltierte ich im Lager ohne Rücksicht darauf, was geschehen könne, gegen alles, was irgendwie prosowjetisch war. Hahn unterstützte mich darin, ja, er war es, der mich soweit brachte, daß ich eine Kommunistin, die aus Moskau ins Lager gekommen war, um einen Vortrag zu halten, öffentlich beschimpfte. Und was machte Hahn dann? Er ging anschließend zu dieser Kommunistin und unterhielt sich angeregt mit ihr. Von mir daraufhin zur Rede gestellt, erklärte er mir, er habe sie besänftigt, damit ich nicht wieder ins Gefängnis käme. Damals glaubte ich noch an ihn.

Hahn hat von den Russen, die er selbst mir gegenüber wiederholt als »Untermenschen« bezeichnete, die mit einer Reitpeitsche zur Arbeit getrieben werden müßten, Schokolade, Pralinen und Wodka angenommen, er hat freundschaftlichst mit hohen Offizieren dieser »Untermenschen« getafelt. Hat er damit etwas für seine Kameraden erreicht?

Er hat seinen »Freund« Ete Hartmann, der mit mir zusammen auf der Kriegsschule war, veranlaßt, eine solche Stellung gegen die Russen zu beziehen, wie auch ich sie eingenommen hatte. Hartmann befindet sich heute noch in Rußland, Hahn aber ist zu Hause. Ich würde das Schicksal Hartmanns geteilt haben, wenn ich nicht plötzlich stutzig geworden wäre.

Kurze Zeit, nachdem ich von Hahn weggekommen bin, wurde ich von dem von Hahn so oft zitierten Dr. Saweljew auf Aeußerungen angesprochen, die ich nur Hahn gegenüber gemacht hatte. Hatte Hahn etwa der von Dr. Saweljew so reichlich gespendete Wodka die Zunge gelöst? Ich habe Hahn daraufhin gebeten, zu mir ins Lager zu kommen, da ich damals einfach noch nicht glauben wollte, daß Hahn mich verraten hat. Er kam nicht. Und er wußte, warum er nicht kam.

Hahn ist wieder in Deutschland. Wo sind seine Freunde, die er zur unbedingten Treue an Hitler anhielt? Er hatte doch öffentlich erklärt: »Wir wollen mit Hitler untergehen, wie die Burgunden mit ihrem König.« Hahn ist nicht untergegangen. Hahn spricht die »Wahrheit« und die scheint ihm, nach der bereits vergriffenen ersten Auflage zu urteilen, ganz schön Geld zu bringen.

Wattenscheid

Günther Steinmann

Zur Ausgabe
Artikel 31 / 41