ATOM-MORAL - DER SPIEGEL
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Briefe

ATOM-MORAL
• aus DER SPIEGEL 51/1961
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ATOM-MORAL

Unser Dilemma ist, daß die entnervten Westler das Zeug gar nicht in sich haben, es im Ernstfall auf Atombomben ankommen zu lassen. Wer nicht die Möglichkeit hat, zu emigrieren, der wird statt »tot« »rot« wählen.

Weiden (Oberpfalz) RUDOLF HELZEL

Wer als erster Atomwaffen einsetzt, handelt allen Moralgeboten entgegen, gleichgültig, ob sie aus christlicher, liberaler, kommunistischer oder asiatisch-religiöser Quelle stammen.

München 19 PROF. DR. HANFRIED LENZ

Die Völkerrechtslehrer der ganzen Welt stimmen fast völlig darin überein, daß die Abwehr eines mit konventionellen Waffen vorgetragenen Angriffs mittels Atomwaffen völkerrechtswidrig ist.

Berlin-Dahlem WALTER MORÉ

Die Argumentation Tillichs zeigt das Dilemma protestantischer, vielleicht aller humanistischen Ethik. Ethik kann nicht im luftleeren Raum fabriziert werden, sie muß wirklichkeitsbezogen sein und dingverhaftet, das heißt, es gibt Ethik nie abgesehen von Welt, Mensch, Geschichte, sozialer Lage und so weiter. Eine konkrete Ethik wird darum immer verbunden sein mit einer Anthropologie, Gesellschaftslehre, Rechtslehre, mit sozialen und politischen Anschauungen. Dabei ist natürlich klar, daß christliche Prämissen und welthafte Bedingungen einander dialektisch beeinflussen und spannen, so daß man (nicht bei Tillich) oft nicht mehr sieht, wo

denn hier noch Christentum ist vor lauter Beugen unter die Bedingungen der Existenz.

Hamburg-Altona HERMANN W. PATSCH

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