Atomspalter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 6 / 50

Atomspalter

• aus DER SPIEGEL 14/1948
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das eigentliche Thema des Atom-Kontrollausschusses der UNO in Lake Success war die Atomspaltung. Den vom Atomenergieausschuß eingesetzten Prüfungs-Kommissionären ist es nach langwierigen Haarspaltereien jetzt gelungen, den Prüfungsausschuß selbst endgültig zu spalten. Die Russen verteidigten hartnäckig ihren Grundsatz, daß eine internationale Atom-Kontrollbehörde nicht die staatliche Souveränität beeinträchtigen dürfe. Sämtliche anderen Mitglieder wiesen die russischen Vorschläge als »unrealistisch« zurück. Sie bekannten sich einstimmig zu dem amerikanischen Baruch-Plan, der wiederum von den Russen boykottiert wird. Als alles Verhandeln erfolglos blieb, gaben die amerikanischen Atomkontrolleure dem russichen Kollegen Gromyko zum letzenmal Gelegenheit, den Veto-Bleistift anzusetzen.

Sie beantragten, die Besprechung der russischen Vorschläge im Prüfungsausschuß fallen zu lassen. Die anderen Mitglieder waren auch dafür.

+
»Die Sorge um das Geheimnis der Atombombe muß die USA in Anbetracht der verzweifelten Weltlage antreiben, immer neue Atomwaffen zu produzieren,« erklärte der Vorsitzende des US-Atomausschusses David Lilienthal. Und das Repräsentantenhaus bewilligte weitere 150 Millionen Dollar. Damit stehen der amerikanischen Atomforschung für das laufende Jahr 659 Millionen Dollar zur Verfügung.

Englands Atomspezialist M. Oliphant erklärte, die Sowjet-Union werde innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht in der Lage sein, auch nur zwei Atombomben herzustellen, selbst wenn ihr alle Unterlagen und Herstellungsverfahren überlassen würden. Es fehle den Russen an Erfahrung und Spezialisten.

Zur Ausgabe
Artikel 6 / 50