Auch Imperien haben Grenzen
Nr. 17/2003, Titel: »Pax Americana« - Die neue Weltordnung
Die neuen Amerikaner sind genau so gierig, wie die alten Römer es waren! Ich meine, der Begriff »Pax Americana« hat vor der Geschichte so wenig Wert, wie der Begriff »Pax Romana«, wie Augustus es meinte. Beide dienen nur als Vorwand zur Unterjochung fremder Kulturen!
SENDEN (BAYERN) OTTO RÖSSNER
290 Millionen US-Amerikaner geben pro Jahr Dutzende Milliarden Euro mehr für Verteidigung aus als 2,9 Milliarden Europäer, Russen, Chinesen und Inder zusammen. Paranoia? Machtrausch? Oder rücksichtslose Ausbeutung des eigenen Volkes? Das amerikanische Volk zahlt für diesen Größenwahnsinn, indem es pro Woche fünf Stunden und pro Jahr sechs Wochen mehr arbeitet als wir Europäer. Es bezahlt mit einem miserablen staatlichen Sozial- und Gesundheitssystem, mit deutlich höherer Kriminalitätsrate, mit einer breiten Schicht verarmter Menschen, mit toten und psychisch kranken Soldaten, neuerdings mit einem teilweisen Verlust seiner bürgerlichen Freiheiten und mit der Verachtung der Welt. Trotz all der Opfer des amerikanischen Volkes konnte ein gutes Dutzend rachsüchtiger, in ihrem Stolz verletzter Araber die Weltmacht erniedrigen. Irgendwas machen die Amis falsch.
MÜNCHEN GERT WIESCHER
Gratulation zu dem Cover. Die Welt, zerdeppert von der »neuen« Welt - wohl nicht das letzte Oster-Ei, das uns Kolumbus' Nachfahren legen werden.
WIEN MARCUS STÖGER
Die Bezeichnung »Pax Americana« zeigt sehr deutlich, dass die Bedeutung des Wortes Frieden sehr variabel sein kann. In diesem Fall handelt es sich wohl um nichts anderes als die rücksichtslose Erzwingung eines Status quo, der die globale Vormachtstellung der USA garantiert.
LANDSBERG (BAYERN) STEFAN FUTTERKNECHT
Das SPIEGEL-Titelbild beschreibt die jetzige Weltlage ausgezeichnet. Es beschreibt eigentlich die »Welt-Unordnung«. Der amerikanische Herrscher will nach seinen Vorstellungen die Welt in »Unordnung« bringen, damit die amerikanische Waffen- und Ölindustrie weitere Profite erzielen kann. Die Völker müssen künftig um Freiheit, Reichtum und Recht zittern.
OTTOBRUNN (BAYERN) ISMAIL SAHIN
So mancher Artikel trieft vor aggressivem Antiamerikanismus. Kritik an den USA ist berechtigt, aber nicht als Selbstzweck. Man stelle sich anstatt der realen amerikanisch beherrschten Welt eine fiktive sowjetisch beherrschte Welt vor: Dann würden Sie jetzt keine kritischen Artikel über die »Pax Americana« schreiben, sondern Jubelarien über die Segnungen der sozialistischen Weltrevolution singen. Ich kann jedem, dem unsere kriegerischen westlichen Gesellschaften derart bitter aufstoßen wie Ihnen, nur empfehlen, auszuwandern in die Oasen des Friedens und der Freiheit in dieser Welt: Kuba und Nordkorea!
MÜNCHEN KORBINIAN SPIES
Viele Völker können sich ja nicht richtig über ihre »Befreiung« freuen! Das liegt daran, dass Freiheit so unterschiedlich interpretiert wird und auf die »Befreiung« oft zunächst erst mal Not folgt. Wenn nur 4 Prozent der Weltbevölkerung (auch militärisch) einfordern, dass sie weiterhin 25 Prozent der fossilen Energieträger aufbrauchen können und den Rest politischwirtschaftlich kontrollieren, sind eben vor allem (Energie-)Macht erhaltende Freiheitsdefinitionen gefragt.
NÜRNBERG TORSTEN WUNDERLICH
Viele Kriegsbefürworter hegen erstaunlich naive Hoffnungen für die Zukunft des Irak. Man trifft bei ihnen oft auf den Glauben, dass jedes Land dieser Welt davon träumt, eine liberale, prowestliche Demokratie zu werden; in jeder Diktatur stecke eine Demokratie, und die wolle raus. Geht das nicht schnell genug, wird eifrig mit dem Skalpell nachgeholfen. Dass eine andere Kulturgeschichte auch andere Vorstellungen vom idealen Staat zur Folge haben könnte und dass viele Iraker, die beim Zusammenbruch von Saddams Regime klatschen, trotzdem einem islamischen Gottesstaat zujubeln würden, das wird ausgeblendet. Es passt nicht zu den bunten Bildern von der stürzenden Saddam-Statue.
HALLE (NRDRH.-WESTF.) DAVID HOFFMANN
Wie in den letzten Wochen geht der Gang in die Höhle der Schwarzweißmalerei weiter voran. Hier erhält dann der US-Präsident sein raffgieriges Image und wird als ein im Wahn handelnder Staatschef diffamiert, der wenn möglich nichts anderes als die Herrschaft über das gesamte Universum anstrebt. Auf den 14 Seiten Ihres Titelthemas kein Wort zu dem unendlichen Leid, das den irakischen Bürgern in den letzten Dekaden zugefügt wurde.
BERLIN JOSEPH LAUDIEN
Es gibt nur ein großes Versagen der Uno: Sie hat nach dem völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf den Irak versäumt, Sanktionen gegen die USA zu verhängen! Jedes andere Land, das so grob gegen internationales Recht verstoßen hätte, würde mit Sanktionen abgestraft werden. Warum nicht die USA? Gelten nicht gleiches Recht und gleiche Strafe für alle Uno-Mitglieder?
HOLZKIRCHEN (BAYERN) RUDOLF-MAX BRANDES
Anstatt ein vermeintlich stabiles politisches Weltsystem mit diplomatischem Geschick im Gleichgewicht zu halten, verändern die USA es, unter Zuhilfenahme von militärischer Gewalt, zu ihren Gunsten. Ob dieses neue System auf Dauer nur Positives mit sich bringt, muss in Frage gestellt werden.
KONSTANZ GORAN GRUJICIC
Eine neue Weltordnung kann nur unter Führung der Uno entstehen und vor allem dauerhaft bestehen bleiben. Der Versuch der USA, mittels ökonomischer und militärischer Macht dieser Welt ihre neue Ordnung zu geben, wird scheitern. Die Lektion, dass es auch für Imperien Grenzen gibt, muss auch die Bush-Administration noch lernen.
MERZENICH (NRDRH.-WESTF.) STEPHAN ERVEN