AUERBACH - DER SPIEGEL
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Briefe

AUERBACH
• aus DER SPIEGEL 22/1951
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AUERBACH

(Nr. 19/51, Deutschland)

Ich bin durchaus nicht mit allem einverstanden, was der SPIEGEL schreibt. Aber Ihre Attacken gegen Philipp Auerbach von »Das bessere Deutschland - Durch Geschäfte verhindert« über die Kaffeeschmuggel-Serie bis zu Ihrem neuesten Artikel habe ich mit viel Vergnügen verfolgt. Dabei bin ich beileibe kein Antisemit. Gegen Philipp Auerbach habe ich etwas, seit ich durch Zufall seinen handschriftlich ausgefüllten Fragebogen für das »Komitee ehemaliger politischer Gefangener«, Hamburg, dem späteren VVN, zu Gesicht bekam. Auerbach erklärte an Eides Statt, daß er in der Zeit vom 10. Mai 1940 bis 5. Juli 1945 in den KZ Auschwitz und Buchenwald und im Polizeigefängnis Berlin gesessen habe. U. a. sei ihm von der Gestapo zur Last gelegt worden, daß er Beziehungen zum englischen Intelligence Service hätte. In diesem VVN-Fragebogen stellte Auerbach zu diesem Punkt wörtlich fest: »Ueber diesen Punkt bedaure ich keine Auskunft geben zu können, da ich durch Ehrenwort gebunden bin.«

Man mag über Emigranten und über das Hitler-Regime denken wie man will, aber auch die Herren Amerikaner werden eines Tages einsehen müssen - und sie haben die Praxis ja bei sich selbst immer geübt - , daß Angehörige einer Nation, die sich einem feindlichen Nachrichtendienst als Mitarbeiter zur Verfügung stellen, mit dem Entzug ihrer Freiheit und einem Verfahren wegen Landesverrats zu rechnen haben.

Hamburg-Fuhlsbüttel

Erhard Niestel

Ihre Angaben über vermutliche fremde Hilfeleistung bei Herstellung der Auerbachschen Doktorarbeit hat sich inzwischen bis in Einzelheiten insofern bestätigt, als der Münchener Journalist Dr. Hans Burggraf gegen 1000 DM Honorar im Auftrage Auerbachs über das Wirken der Widerstandsgruppen im Dritten Reich ein Manuskript verfaßte, dessen Rechte an Auerbach übergingen. Dr. Burggraf gibt allerdings an, Auerbach habe ihm seinerzeit mitgeteilt, daß er in Erlangen einen Lehrstuhl bekommen solle und für diesen Zweck eine solche Arbeit benötige. Aus Auerbachs weiterem Verhalten schloß Burggraf, daß die Universität keine Einwendungen dagegen erhebe, daß diese Arbeit über Widerstandsgruppen nicht von Auerbach selbst, sondern von einem anderen, also Burggraf, verfaßt werde.

Den Meldungen der Tageszeitung ist übrigens zu entnehmen, daß zwischen Ministerpräsident Ehard und der Staatsanwaltschaft nach wie vor unterschiedliche Meinungen herrschen, diesmal über das voraussichtliche Datum des Prozeßbeginns. Während zu lesen ist, daß Dr. Ehard dem Aeltestenrat des Landtages versprochen habe, der Prozeß beginne in spätestens drei Wochen, erklärt die Staatsanwaltschaft, vor dem Herbst sei mit Anklageerhebung nicht zu rechnen, da man bisher nicht einmal die Anklagepunkte zusammengestellt und formuliert habe; lediglich die Sichtung des Materials könne zur Zeit bewältigt werden. Verständlich, wenn im Landtag erst am 16. 5. wieder um Auskunft über den Komplex Parkhotel Bad Aibling gefragt wurde: Dieses Hotel hatte Auerbach gekauft, um es zum Sanatorium auszubauen. Im Mai vergangenen Jahres sei Konkurs angemeldet worden, einige Bauarbeiter warten seit zwei Jahren auf ihre Löhne. Im jetzigen Zustand, kurz vor Fertigstellung, gilt das Parkhotel, mit 75 Zimmern, Tee- und Musikzimmer, Speiseräumen, Glasterrassen und modernen Bädern, als eines der elegantesten Hotels Süddeutschlands.

Der Leiter des Bayrischen Hilfswerkes stellte in einem Schreiben fest, daß nahezu 1,5 Mill. Mark als Staatsdarlehen investiert worden seien. Das Bayrische Finanzministerium behauptet, daß nach den Haushaltsplänen weder ein Staatsdarlehen noch eine Staatsbürgschaft gegeben worden sei. Woher nehmen eigentlich viele Leute den Mut zu der Behauptung, es sei kein Geld da?

München

Wolf J. Pelikan

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