Auf eine Zigarette mit ... - DER SPIEGEL
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PRESSE Auf eine Zigarette mit ...

Giovanni di Lorenzo über die Zukunft seines gleichnamigen Interviewformats mit Altkanzler Helmut Schmidt in der »Zeit«
• aus DER SPIEGEL 18/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Sie rauchen ja gar nicht.

Di Lorenzo: Sie ja auch nicht. Ich genieße allenfalls privat ab und zu einen Zigarillo.

SPIEGEL: Vor knapp einem Jahr begannen Sie im damals gerade wiederbelebten Magazin der »Zeit« mit der Interviewkolumne »Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt«. Deshalb dachten wir ...

Di Lorenzo: Ich rauche bei den Terminen passiv mit, wenn Herr Schmidt mich dazu in meinem Büro besucht. Meist versuchen wir, zwei solcher kleinen Interviews auf einen Freitagnachmittag zu legen. Er hat dann seine Schachtel Menthol-Zigaretten immer dabei. Danach kann man den Raum im Prinzip das komplette Wochenende lüften.

SPIEGEL: Sie könnten Schmidt das Rauchen verbieten.

Di Lorenzo: Ich bitte Sie! Helmut Schmidt ohne Zigarette ist einfach unvorstellbar. Und ich gönne ihm das von Herzen. Außerdem heißt das Format ja »Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt«.

SPIEGEL: Ein Titel, der intern anfangs sicher umstritten war, oder?

Di Lorenzo: Nein, auch wenn die Redaktion fast nur aus Nichtrauchern besteht. Dafür bekamen wir am Anfang viele Briefe von erbosten Lesern, die sich darüber aufregten, wie wir politisch so inkorrekt sein konnten. Das hat sich inzwischen beruhigt. Helmut Schmidt ließe sich da auch nicht beirren. Er sagt, Politiker sollten auf ihrem Felde Vorbild sein, nicht auf sämtlichen Feldern menschlichen Lebens.

SPIEGEL: Woher rührt die mittlerweile erreichte Beliebtheit Ihrer bisweilen auch ziemlich skurrilen Interviews?

Di Lorenzo: Die Leser spüren: Da spricht ein Zeuge des Jahrhunderts, und der leistet sich eine Meinung. Das schätzen auch die ganz Jungen, selbst wenn sie ihm nicht immer zustimmen.

SPIEGEL: Gilt das auch für Sie?

Di Lorenzo: Natürlich, Schmidt kann Gesprächspartner, die zu allem ja und amen sagen, auch schlecht verknusen. Ich bin zum Beispiel anderer Ansicht, was seine Maxime der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten von Staaten betrifft, wie jetzt in der Tibet-Frage gegenüber China.

SPIEGEL: Ihre Strategie, den Ex-Kanzler zu revitalisieren, ist doppelt raffiniert: Als Chefredakteur der »Zeit« haben Sie einen Zeitzeugen mit großer Reputation gewonnen. Zugleich ist er Ihnen als Ihr Herausgeber sicher seither noch mehr gewogen.

Di Lorenzo: Da kennen Sie Helmut Schmidt schlecht: Anbiedereien durchschaut er sofort. Aber ich empfinde es durchaus als Glück, ihn aus dieser Nähe zu erleben.

SPIEGEL: War es schwer, den 89-Jährigen zu dieser journalistischen Form zu bewegen?

Di Lorenzo: Wir haben es ihm anfangs etwas schwer gemacht, besonders wenn er kurze Antworten auf manchmal ziemlich komplizierte Fragen geben sollte. Gelegentlich stört ihn auch die Mischung aus Politischem und Persönlichem. Inzwischen hat er mitbekommen, dass viele Leser die Lektüre der »Zeit« mit dem Magazin beginnen - ganz hinten, auf seiner Seite.

SPIEGEL: Wie lange wird er Ihnen für die Interviews noch zur Verfügung stehen?

Di Lorenzo: Er droht mir immer wieder damit, dass Ende des Jahres Schluss ist. Ein Alptraum!

SPIEGEL: Und - schon Ersatz in Sicht?

Di Lorenzo: Sie machen Scherze. Schmidt kann man nicht ersetzen.

SPIEGEL: Immerhin würde dann die Luft in Ihrem Büro wieder besser, oder?

Di Lorenzo: Er raucht ja nicht nur Zigaretten. Jedes Mal bringt er Schnupftabak mit und trinkt dazu Kaffee mit Milch und extra viel Zucker. Unsereins würde angesichts dieser Dröhnung wie Rumpelstilzchen durch die Flure hüpfen. Schmidt dagegen ist dann überhaupt erst auf Betriebstemperatur.

INTERVIEW: MARKUS BRAUCK, THOMAS TUMA

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