Auf Null - DER SPIEGEL
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ABGEORDNETE / ZIMMERMANN Auf Null

• aus DER SPIEGEL 30/1967
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Friedrich Zimmermann, 41, CSU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Bonner Verteidigungsausschusses, war außer sich. Was ihm vorgeworfen werde, so beteuerte er letzten Herbst, sei »zu 95 Prozent gelogen«, wenn nicht gar »von A bis Z frei erfunden«.

Und durch Einstweilige Verfügung ließ der Parlamentarier die Verbreitung all der »Lügen« (Zimmermann) verbieten; sie betrafen seine Amtsführung als Aufsichtsratsvorsitzender der »Bayerischen Union, Wohnungstreubau- und Bauberatungsgesellschaft mbH«, die im Frühling dieses Jahres knapp am Konkurs vorbei in den Vergleich ging. Kurz zuvor hatten auch Geschäftsführung und Mitarbeiter des Unternehmens die Anschuldigungen gerichtlich abgewehrt.

Jetzt nahmen die Bau-Bayern ihre Verfügungen wieder zurück -- von A bis Z. »Zimmermann«, so gongte letzte Woche die »Süddeutsche Zeitung«, »bei aufgegeben.«

Nicht mehr verboten sind die Behauptungen,

> die »Bayern-Union« (Branchenjargon), von deren Anteilen Anwalt Zimmermann 25 Prozent hält, sei ein »höchst unseriöses Unternehmen, das vor kriminellen Praktiken nicht zurückschreckt«;

> die Firma -- von der beim Vergleichsverfahren Anfang April rund 600 Gläubiger über 19 Millionen Mark forderten -- habe jahrelang Kunden »betrogen« und deren Gelder »veruntreut«;

> Jurist Zimmermann habe sich vor solche Straftaten der Unions-Geschäftsführung gestellt, und die CSU, die ihr prominentes Mitglied in dieser Affäre gedeckt habe, sei »eine korrupte Partei«.

Die Vorwürfe stammten von einem Parteifreund: Hans Pflüger, städtischer Oberamtmann in München und Mitbegründer der Christlich-Sozialen Union. Pflüger vertritt seine Schwiegereltern, für die und auf deren Grund die Bayern-Union ein Zwölf-Millionen-Objekt (zwölf Mietshäuser und drei Betriebe) errichtet und später betreut hat.

Der Oberamtmann glaubte sich seinerzeit bei dem Unternehmen gut aufgehoben, denn die Unions-Spitze ist christlich-sozial: Neben dem ehemaligen CSU-Generalsekretär Zimmermann gehören ihr der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Schmidhuber, der CSU-Landesschatzmeister Werner Müller und der Architekt Hans König an, der das CSU-Hauptquartier an der Münchner Lazarettstraße gebaut hat.

1960 begann die Bayern-Union mit dem Bau der Pflüger-Häuser. Doch bis heute sind dem Parteifreund ordnungsgemäße Abrechnungen über 9,5 Millionen Mark vorenthalten worden. Den Gesamtschaden seiner Schwiegereltern beziffert Pflüger auf rund 250 000 Mark. Seinen Zorn -- samt den derben Vokabeln -- vertraute er einem Brief an den stellvertretenden CSU-Chef und bayrischen Kultusminister Ludwig Huber an, der das Schreiben bislang nicht beantwortet hat. Dafür antwortete Zimmermann -- per Gericht.

Den Rückzug erläutert der Politiker, gegen dessen Bayern-Union unterdessen die Kriminalpolizei ermittelt, jetzt so: Pflüger habe inzwischen klargestellt, daß er, Zimmermann, nicht beschuldigt worden sei, »von strafbaren Handlungen der Bau-Union gewußt oder an diesen gar mitgewirkt zu haben«.

Das aber hat der Oberamtmann keineswegs erklärt. Er hatte lediglich durch seinen Anwalt vor Gericht präzisieren lassen: »In dem fraglichen Brief« sei nicht behauptet worden, daß Zimmermann und seine Unions-Freunde »im einzelnen von allen Machenschaften der Bau-Union Kenntnis« gehabt und »sich an ihnen beteiligt« hätten.

Friedrich Zimmermanns Verzicht vor Gericht trifft sich mit dem Verzicht seiner Partei auf Friedrich Zimmermann. Anfang dieses Monats, in der Landesversammlung der Christlich-Sozialen, fiel er bei der Vorstandswahl durch. Die CSU hat ihren Zimmermann, einst allmächtiger Mann der Partei, nahezu auf Null gebracht.

Als Günstling des Franz-Josef Strauß hatte der Generalsekretär Zimmermann zwischen 1956 und 1963 in der Münchner Lazarettstraße die Partei gegängelt. Unversehrt war der CSU-Regent aus der bayrischen Spielbankenaffäre hervorgegangen, obwohl er 1960 wegen Falscheids zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und im Revisionsverfahren nur wegen Mangel an Beweisen freigesprochen worden war ("Es kann keine Rede davon sein, daß die Unschuld ... erwiesen wäre").

Anfang der sechziger Jahre aber war es das CSU-Volk überdrüssig, bedingungslos für den machtbewußten Spitzenfunktionär zu funktionieren. Es erzwang schließlich -- gegen den Willen des Parteichefs Strauß -- einen Wechsel im Amte des Generalsekretärs. Zimmermann zog sich nach Bonn zurück. Doch auch dort blieb der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, dessen Bayern-Union 100 Wohnungen für die Bundeswehr gebaut hat, ohne Fortune.

Sein Plan, sich 1965 zum Vizepräsidenten des Bundestages wählen zu lassen, löste öffentliche Proteste aus und scheiterte schließlich am Einspruch der Unions-Schwester CDU. Zimmermann verzichtete auf eine Kandidatur. Und jüngst, bei der Landesversammlung in München, versagten sich ihm auch die Bayern -- nur 26 von knapp 200 Delegierten stimmten bei der Vorstandswahl für den Politiker.

Gleichwohl erweist die »blitzsaubere Partei« (das CSU-Blatt »Bayern-Kurier") ihrem Ex-General, Träger des Bayerischen Verdienstordens ("wegen vorbildlicher menschlicher und staatsbürgerlicher Leistungen"), noch gute Dienste. Eine CSU-Kommission, die seit März Zimmermanns Rolle in der Bayern-Union untersuchen soll, hat bislang nicht getagt.

* Pflüger-Häuser in München.

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