Auffällige Experten - DER SPIEGEL
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Auffällige Experten

• aus DER SPIEGEL 42/1989
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»Bedenken« gegen den Bau eines Gen-Labors haben überraschend auch Experten der Unternehmen erhoben, die selbst solche Anlagen betreiben wollen. Bei einer Anhörung zur geplanten gentechnischen Produktionsstätte in Aachen, in der die Pharma-Firma Grünenthal das Blutgerinnsel auflösende Medikament Saruplase herstellen will, fielen Anfang Oktober zwei Anwesende auf, die nicht zum bekannten Kreis der Gen-Gegner gehörten. Als die grüne hessische Landtagsabgeordnete Ulrike Riedel nach ihrer Teilnahmeberechtigung fragte, stellte sich der eine als Rechtsanwalt Mario Senft aus Kelkheim am Taunus vor. Er habe formgerecht Einwand erhoben, erklärte Senft, und wolle wissen, ob auszuschließen sei, daß Bakterien von Aachen nach Frankfurt gelangen. Der zweite Auffällige, der sich als Roloff Johannsen bekannt machte, nannte sich »Sachbeistand« des Einwenders Senft. In Wahrheit kämpfen beide Herren um eine beschleunigte Konzession für die Gen-Produktion im eigenen Hause. Senft ist Justitiar beim Pharma-Riesen Hoechst und vertritt die Marburger Behringwerke, eine 100prozentige Hoechst-Tochter, im Genehmigungsverfahren für eine Anlage zur Herstellung des Blutbildungshormons Erythropoietyn. Johannsen ist Leiter der Abteilung Zellbiologie bei Behring. Den Seitenwechsel im Grünenthal-Verfahren begründet der Pharma-Manager ganz lapidar: »Wir haben fristgerecht eine Einwendung gemacht und hatten dadurch Zugang.« Die Grünen-Abgeordnete Riedel vermutet, das Pharma-Gespann habe durch »erstaunliche Phantasie« nur »Einblick in ein ansonsten nicht öffentliches Verfahren gewinnen wollen«.

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