Auftrieb
Nach einem Bericht der Londoner »Sunday Times« ist man in Washington betroffen über die Versuche einiger Mitglieder der österreichischen Regierung Raab, durch direkte Fühlungnahme mit Moskau einen »neutralistischen« Frieden zu suchen. »Als zum Beispiel der Außenminister Dr. Gruber bei der Krönung in London weilte, suchte er den Sowjet-Botschafter Malik auf und hielt die Ergebnisse seiner Besprechung sorgsam geheim. Danach reiste er in die Schweiz, um Nehru den Vorschlag zu unterbreiten, der indische Botschafter in Moskau möge beim Kreml die Möglichkeiten einer Lösung nach neutralistischem Rezept sondieren. Diese und andere Anzeichen, daß die österreichische Regierung gewillt ist, eine neutralistische Politik einzuschlagen, werden (in Washington) mit einiger Besorgnis verfolgt, weil sie das Bild der Politik Washingtons verwirren und dem latenten Neutralismus Europas neuen Auftrieb verleihen könnten.«