Ausblicke
Der Blick vom Völkerbunds-Gebäude auf den Genfer See ist erfreulich. Der Blick auf die im Innern des Gebäudes tagende UNO-Konferenz für Presse-Freiheit ist es nicht. Als Vorschußleistung auf die geplanten Statuten einer internationalen Nachrichten- und Meinungsfreiheit benutzten die vereinigten Zeitungsmänner die erste Tagungswoche zu ausgiebigem Beleidigungsaustausch. Rußlands Vertreter Alexander Bogomolow (Botschafter in Paris) warf der amerikanischen Presse faustdicke Lügen und der Radiostimme Amerikas planmäßige Kriegshetze vor. Die westliche Presse werde dazu von Monopol-Kapitalisten streng zensiert. Der bolschewistische Blätterwald, so berichtete er, rausche dagegen in einer »tief im Volk verwurzelten Freiheit«. Es war den Russen sichtlich peinlich, als darauf der amerikanische Zeitungs-Boss Harry Martin den 1000-Worte-Text der russischen Gavlit-Zensurstelle vorlas, die 1931 zur Kontrolle aller literarischen Veröffentlichungen errichtet wurde. Von den 1700 Tageszeitungen in den USA seien im übrigen 83 Prozent in lokalem Besitz, betonte Martin. Ohne auf das verlesene Gesetz einzugehen, beschuldigten die Sowjets darauf die USA des Versuches, pornographische Literatur und Pin-up-Girls zu vertreiben und damit zu einer Welle der Jugendkriminalität beigetragen zu haben. Als bisher einziges Positivum nahm die Konferenz eine Entschließung an, nach der für Auslandskorrespondenten volle Bewegungsfreiheit und die gleichen Rechte gefordert werden wie für inländische Pressevertreter. Belgiens Abgeordneter Fernand Dehoussee beantragte die Schaffung eines journalistischen Ehrenkodex und ein internationales Gericht für Journalisten.
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Sokolowski, der auszog, um die drei anderen Berliner Kontrolleure das Fürchten zu lehren, wurde auf der jüngsten Sitzung des österreichischen Kontrollrats mit keiner Silbe erwähnt. Der erste westliche Antrag fiel jedoch wieder der russischen Ablehnungstaktik anheim. Er sah die Aufhebung der Pressezensur für Oesterreich vor. Rußlands Begründung: Dafür ist in Oesterreich noch nicht die nötige Sicherheit gegeben.