Ausgerechnet in der Medizin
Nr. 17/2000, Ärzte: Korruptionsskandal verunsichert Herzchirurgen
Sponsoring durch die Industrie hatte auch eine etablierte Funktion in der Sicherung der Fortbildung des Krankenhausmittelbaus - durch Übernahme von Reisekosten, Unterbringung, Kongressgebühren. Diese Möglichkeiten angestellter nachgeordneter Krankenhausärzte sind jetzt aber drastisch eingeschränkt worden: Es droht die »Erkenntnis« von Juristen, dass sogar produktunabhängige industriefinanzierte Fortbildung Bestechlichkeit darstelle. Tatsache ist aber, dass Kostenträger nirgends Geld dafür ausgeben, den »state of the art« bei Wissen und Fertigkeiten von Krankenhausärzten aufrechtzuerhalten. Wo jedes andere marktgerecht agierende Unternehmen Know-how als Ressource wertschätzt und Schulungen bezahlt, ist nichts dergleichen vorgesehen - ausgerechnet in der Medizin mit ihrem raschen Wissenszuwachs.
HASLOH (SCHLESW.-HOLST.) DR. MATHIAS BERTRAM
Es geht beim Herzklappenskandal um drei Dinge: Erstens nutzen unter den paar Dutzend Herzchirurgen einige ihre Spezialausbildung wie kapitalistische Monopolisten und nicht wie ehrbare, kollegiale Fachärzte, wodurch ihre teure Ausbildung der Wissenschaft verloren geht. Zweitens verzerren die Industriespenden den wissenschaftlichen Wettbewerb, weil ehrlichere Ärzte, auch wenn sie besser wären, sich die teure Ausstattung nicht leisten können. Und drittens zerstört das Kartell aus Chefärzten und Industrie den Glauben in die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.
BAD PETERSTAL (BAD.-WÜRTT.)
DR. KARLHEINZ BAYER