Bulgarien Ex-König Simeon erobert das Parlament
Sofia - Simeons Partei kam nach Auszählung von 99 Prozent aller Stimmen auf 43,04 Prozent, berichtete die Zentrale Wahlkommission am Montagmorgen in Sofia. Unklar ist, ob Simeon Ministerpräsident werden will. Der 64-Jährige hat sich für eine breite Regierungskoalition ausgesprochen. "Nach dem heutigen Tag wird Bulgarien anders sein," sagte Simeon. "Zusammen beginnen wir einen Weg der wirtschaftlichen und moralischen Erneuerung."
Ministerpräsident Iwan Kostow räumte ein, seine Union der Demokratischen Kräfte (UDF) habe eine schwere Wahlniederlage erlitten. Sie erhielt nur noch 18,26 Prozent. Die aus den Kommunisten hervorgegangenen oppositionellen Sozialisten erzielten 17,36 Prozent, die Partei der türkischen Minderheit konnte 6,73 Prozent gewinnen.
Entgegen allen Hochrechnungen erreichte die bisher unbekannte Protestpartei "Gergjowden" nur 3,69 Prozent und scheiterte an der Vier-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,7 Prozent. Das war um vier Prozent höher als bei der letzten Wahl vor vier Jahren. Nach wie vor unklar war, ob die Simeon-Partei knapp die absolute Mehrheit der 240 Parlamentssitze erringen konnte.
Simeon II. wurde nach einer gefälschten Volksbefragung 1946 aus Bulgarien vertrieben. Drei Jahre zuvor war er im Alter von neun Jahren zum König gekrönt worden. Bevor er im April in die bulgarische Politik zurückkehrte, hatte er in Madrid eine Beratungsagentur geleitet. Den Bürgern hatte er versprochen, gegen Korruption vorzugehen und den allgemeinen Lebensstandard zu verbessern.