30 Tage Untersuchungshaft Milosevic beteuert seine Unschuld
Belgrad - Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic ist am Sonntag in Belgrad verhaftet worden. Dem Innenministerium in Belgrad zufolge wurde er am Nachmittag einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Westliche Regierungen begrüßten die Festnahme als ersten Schritt, um Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag den Prozess wegen mutmaßlicher Gräueltaten im Kosovo-Krieg zu machen. Das Tribunal forderte die rasche Auslieferung Milosevics, die Regierung in Belgrad lehnte dies jedoch bislang ab und will Milosevic zunächst in seiner Heimat wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht stellen.
Die Belgrader Nachrichtenagentur Beta meldete unter Berufung auf Milosevics Anwalt Toma Fila, Milosevic habe vor dem Untersuchungsrichter seine Unschuld in allen Punkten beteuert. Milosevic soll Fila zufolge 30 Tage lang in Untersuchungshaft bleiben.
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Milosevic hatte sich vor der Verhaftung mit seiner Familie und schwer bewaffneten Leibwächtern in seiner Belgrader Villa verschanzt, die seit Freitagabend von Sicherheitskräften umstellt war. Die Lage war aufs äußerste gespannt, Schüsse waren gefallen. Immer wieder hatte es Unklarheit und widersprüchliche Informationen über das Schicksal des Ex-Präsidenten gegeben. Ein führendes Mitglied von Milosevics Sozialistischer Partei, Branislav Ivkovic, sagte, Milosevic habe sich gestellt, um Blutvergießen zu verhindern. Er sei unschuldig.
Der serbische Innenminister Dusan Mihajlovic sagte, Milosevic müsse innerhalb eines halben Jahres vor Gericht gestellt werden. Ihm drohten im Fall eines Schuldspruchs zwischen fünf und 15 Jahre Haft.
Vize-Innenminister Goran Vesic sagte nach der Festnahme Milosevics: "Ehrlich, ich habe nicht mit einem friedlichen Ausgang gerechnet." Milosevic habe gedroht, er werde eher sterben, als sich zu stellen. Außerdem hätte es Gerüchte gegeben, Milosevic wolle auch seine Familie und alle Personen in seiner Nähe umbringen, sagte Vesic dem Belgrader Fernsehsender BK.
Der Prozess im eigenen Land
Die Menschen auf den Straßen Belgrads zeigten sich erfreut über die Festnahme ihres einstigen Präsidenten, viele waren jedoch gegen die Auslieferung Milosevics an das Tribunal. Die reformorientierte Regierung in Belgrad will Milosevic zunächst im eigenen Land den Prozess machen.
Das UN-Tribunal hat Milosevic wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg 1999 angeklagt. Eine Sprecherin der Tribunals-Chefanklägerin Carla del Ponte sagte, die jugoslawische Regierung müsse den internationalen Haftbefehl gegen Milosevic akzeptieren und sich unverzüglich zur Auslieferung verpflichten. Die USA haben unter anderem die Bereitschaft Jugoslawiens zur Zusammenarbeit mit dem Tribunal zur Bedingung für die Fortsetzung ihrer Finanzhilfe an das Land gemacht und dafür eine Frist gesetzt, die Samstag abgelaufen war. Die USA hatten zunächst klar gemacht, dass die Festnahme Milosevics von der US-Regierung positiv aufgenommen werden würden.
Bush fordert weitere Schritte
US-Präsident George W. Bush begrüßte die Festnahme Milosevics und forderte, ihm wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit den Prozess zu machen. Die Festnahme sei dazu nur der erste Schritt, erklärte Bush. Sie sei jedoch ein wichtiger Schritt, um die tragische Ära seiner brutalen Diktatur zum Abschluss zu bringen.
Bundesaußenminister Joschka Fischer nannte die Festnahme einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung von Frieden und Stabilität in der gesamten Region.
Der britische Außenminister Robin Cook sagte, die Verhaftung Milosevics sei eine gute Nachricht für alle, die so lange für Frieden und Gerechtigkeit auf dem Balkan gekämpft hätten. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac erklärte, die Nachricht von der Festnahme mache ihn überglücklich. Ein NATO-Sprecher sagte, die Allianz erwarte, dass sich Milosevic vor dem UNO-Tribunal wegen Kriegsverbrechen verantworten müsse.