Machtprobe in Weißrussland Oppositionsführer fordertwestliche Unterstützung ein
Minsk - "Es wäre sehr wichtig, die Liste der Einreiseverbote für den weißrussischen Machtapparat um Staatschef Alexander Lukaschenko deutlich zu erweitern", sagte Alexander Milinkewitsch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Milinkewitsch rief seine Anhänger zu einer Großkundgebung am kommenden Samstag auf.
Am 25. März 1918 wurde die erste unabhängige Republik Weißrussland gegründet. Präsident Alexander Lukaschenko hatte den Feiertag vor einigen Jahren verboten. Der bei der Wahl vom Sonntag ebenfalls unterlegene Kandidat Alexander Kosulin forderte am Abend die demokratischen Kräfte auf, dem Lukaschenko-Regime eine eigene Regierung entgegenzustellen.
Milinkewitsch hofft auf eine "demokratische Koalition, die für die Freiheit in Weißrussland kämpft", sagte er in der Nacht im Zentrum von Minsk laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Es sei "unmöglich, das gegenwärtige Regime durch große Versammlungen zu stürzen".
Seit Sonntag harren Oppositionsanhänger auf dem Oktoberplatz im Stadtzentrum auf, um gegen den proklamierten Sieg von Lukaschenko bei den Präsidentschaftswahlen zu protestieren. In der Nacht setzten bis mindestens 700 Lukaschenko-Gegner im Stadtzentrum von Minsk ihren Dauerprotest bei Temperaturen deutlich unter null Grad fort. Es waren damit weitaus mehr als in der Nacht zuvor.
Nach Schätzungen aus Oppositionskreisen hat die Polizei bislang etwa 100 Teilnehmer der von den Behörden nicht genehmigten Kundgebung festgenommen. Der Vorsitzende der Vereinten Bürgerpartei, Anatoli Lebedko, wurde als erster prominenter Oppositionspolitiker wegen Teilnahme an den Protesten zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt.
In Oppositionskreisen kursierten Gerüchte, die in den Straßen um den Oktoberplatz stationierten Polizeieinheiten könnten in der Nacht zum Mittwoch das Zeltlager der Demonstranten räumen und die Teilnehmer festnehmen. Ein Sprecher des Innenministeriums hatte zuvor gefordert, jeder Teilnehmer der Proteste müsse zur Verantwortung gezogen werden.
Lukaschenko war laut Wahlkommission mit 82,6 Prozent im Amt bestätigt worden. Milinkewitsch kam demnach nur auf sechs Prozent. Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verlief die Wahl weder frei noch fair.
lan/dpa/AFP/AP