Kriegsverbrechen EU setzt Serbien Frist für Mladic-Auslieferung
Brüssel - Falls die Regierung in Belgrad einer Auslieferung in den nächsten Tagen nicht nachkomme, werde die EU die im Oktober begonnenen Verhandlungen über ein Stabilitäts- und Assoziierungsabkommen mit Serbien-Montenegro aussetzen. Diese sollen das Land einem EU-Beitritt näher bringen. "Dann haben wir keine andere Wahl, als die nächste Gesprächsrunde abzusagen", erklärte EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn nach einer Unterredung mit dem serbischen Außenminister Vuk Draskovic.
Über den Verbleib von Mladic wird schon seit Monaten spekuliert. Es gibt Vermutungen, dass seine Anhänger ihm in Serbien Unterschlupf gewähren. Außenminister Draskovic betonte, dass noch Hoffnung bestehe, Mladic in den nächsten Tagen festzunehmen und auszuliefern. Falls nicht, werde sein Land hart gegen Vertreter der Sicherheitskräfte vorgehen, die Mladic schützen. Die serbische Regierung hatte Anfang April zugesagt, den gesuchten Kriegsverbrecher bis zum Ende des Monats an das UN-Tribunal in Den Haag auszuliefern. Am Dienstag teilte das Tribunal jedoch mit, noch keine Hinweise auf eine baldige Festnahme zu haben.
Mladic ist wegen Kriegsverbrechen während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 angeklagt. Ihm wird unter anderem die Organisation des Massakers von Srebenica vorgeworfen, bei dem 8000 bosnische Muslime starben. Er war 2001 untergetaucht.
bri/AFP/REUTERS/dpa