+++ Ägypten-Protokoll+++ Gesundheitsministerium bestätigt 638 Tote
Ägypten am Abgrund: Kairo wappnet sich für erneute Zusammenstöße zwischen Armee und Islamisten. US-Präsident Obama sagte ein Manöver mit dem verbündeten Land ab. Alle US-Bürger sollen Ägypten verlassen. Lesen Sie die Entwicklungen des Tages im Minutenprotokoll nach.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Christoph Sydow
Der ägyptische Botschafter in Großbritannien, Aschraf al-Choli, zeigt kein Bedauern für den Tod Hunderter seiner Landsleute. Auf einer Pressekonferenz in London sagte er am Donnerstag: "Die Protestler haben bekommen, was sie wollten." Er sei außerdem überzeugt davon, dass sich einige der Demonstranten gegenseitig erschossen.
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Christoph Sydow
Das Gesundheitsministerium in Kairo hat die Zahl der Opfer vom Mittwoch noch einmal nach oben korrigiert. Jetzt ist von 638 Menschen die Rede, die bei den Zusammenstößen getötet worden sein sollen. Mehr als 3700 weitere wurden verletzt.
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Christoph Sydow
Am Donnerstagabend kommt der Uno-Sicherheitsrat wegen der Lage in Ägypten zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Frankreich, Großbritannien und Australien hatten laut Diplomatenkreisen eine solche Sondersitzung der 15 Mitgliedstaaten beantragt.
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Christoph Sydow
Die USA rufen ihre Bürger dazu auf, Ägypten zu verlassen. In einer Reisewarnung des Außenministeriums heißt es, von Reisen nach Ägypten sollte wegen der instabilen Sicherheitslage abgesehen werden. Die US-Bürger im Land sollten schnellstmöglich ausreisen.
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Christoph Sydow
Während die US-Regierung noch zaudert, reagieren die skandinavischen Länder. Norwegen hat alle Lizenzen für Militärexporte nach Ägypten aufgehoben. Dänemark hat seine Unterstützung in Höhe von fünf Millionen Euro gestoppt.
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joshuahersh
Anyone in Cairo up for a drink over Skype? Stupid curfew.
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Christoph Sydow
Die Tamarud-Bewegung, die Ende Juni den Protest gegen Präsident Mohammed Mursi initiiert hatte, ruft die Ägypter auf, sich am Freitag dem "Terror" entgegenzustellen - gemeint sind die Muslimbrüder. In einer Erklärung die am Abend zur Hauptsendezeit im ägyptischen Staatsfernsehen verlesen wurde, fordert Tamarud die Bildung von Bürgerwehren "in allen Straßen, vor Häusern und Kirchen, um sich einheimischem Terrorismus und ausländischer Einmischung entgegenzustellen".
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Christoph Sydow
Jennifer Psaki, Sprecherin des US-Außenministeriums, sagte am Abend, die USA stellten jede Art von Hilfe an Ägypten auf den Prüfstand. Sie verurteilte die Angriffe auf Kirchen und staatliche Einrichtungen. "Diese Attacken machen die ohnehin stabile Lage nur noch schlimmer."
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SPIEGEL_Politik
Augenzeugenberichte: "Jedes Gespräch dreht sich um das Blutbad"... t.co
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Christoph Sydow
Verwirrung herrscht über die Ausgangssperre in Ägypten. Inzwischen hat die Übergangsregierung klargestellt, dass sie seit 19 Uhr in Kraft ist. Zwischenzeitlich hatte das Innenministerium bekanntgegeben, dass die Ausgangssperre erst um 21 Uhr starten sollte.
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Christoph Sydow
Augenzeugen melden am Abend Schusswechsel aus dem Stadtteil Maadi, der am südlichen Stadtrand von Kairo liegt.
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Christoph Sydow
Aus Protest gegen das Massaker in Kairo sagt Barack Obama ein ägyptisch-amerikanisches Militärmanöver ab. Der US-Präsident hätte weit mehr tun können - sein Zögern spielt den Machthabern in Kairo in die Hände, schreibt Washington-Korrespondent Sebastian Fischer.
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grasswire
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Christoph Sydow
Ägyptens Übergangsregierung kündigt weiter einen harten Kurs gegen "terroristische Akte" der Muslimbrüder an. Die Islamisten wollten die Säulen des ägyptischen Staats zerstören, heißt es in einer Erklärung der Regierung. Jeder Angriff auf staatliche Einrichtungen oder die Sicherheitskräfte werde mit scharfer Munition zurückgeschlagen.
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Kareem Fahim
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Hendrik Buchheister
Papst Franziskus hat zum Gebet für Frieden, Dialog und Versöhnung in Ägypten und der ganzen Welt aufgerufen. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche ging vor dem Angelus-Gebet in Castel Gandolfo auf die Exzesse in Ägypten ein und sprach von "traurigen Nachrichten" aus dem Land. Er bete für alle Opfer, ihre Angehörigen, die Verletzten und Leidenden dort.
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Hendrik Buchheister
Ägypten muss durch die Gewaltexzesse mit massiven wirtschaftlichen Verlusten rechnen. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ist es derzeit so gut wie unmöglich, noch Geschäfte in dem Krisenland zu machen.
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Hendrik Buchheister
US-Präsident Barack Obama werde demnächst eine Stellungnahme zur Lage in Ägypten abgeben. Das meldet Reuters.
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Hendrik Buchheister
Neben Deutschland und Frankreich hat auch Großbritannien den ägyptischen Botschafter einbestellt. Bei einem Gespräch im britischen Außenministerium habe der Politische Direktor Simon Gass die "tiefe Besorgnis" Großbritanniens über die Lage in Ägypten ausgedrückt, teilte das Ministerium mit. Man verurteile "den Einsatz von Gewalt", hieß es, und fordere die ägyptischen Behörden und das Militär zu "größter Zurückhaltung" auf. Die italienische Außenministerin Emma Bonino erwarte den ägyptischen Diplomaten am Nachmittag, teilte ihr Ministerium mit.
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