Affront gegen USA: Iran feiert Fortschritte beim Atomprogramm - DER SPIEGEL
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Affront gegen USA Iran feiert Fortschritte beim Atomprogramm

Mahmud Ahmadinedschad bleibt auf Konfrontationskurs mit Amerika. Im SPIEGEL-Interview weist Irans Präsident die Forderung der USA nach einem Stopp des iranischen Atomprogramms brüsk zurück. In Isfahan eröffnete er demonstrativ eine Urananlage.
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Isfahan/Hamburg - Mahmud Ahmadinedschad bleibt hart: Irans Präsident zeigt sich als Widersacher der USA und Vorkämpfer iranischer Nuklearphantasien. Im Gespräch mit dem SPIEGEL wies der Staatschef die Forderung von US-Präsident Obama nach einem Stopp des iranischen Atomprogramms brüsk zurück - und daheim schlüpfte er am "Nationalen Tag der Atomenergie" in einen weißen Kittel, mischte sich unter seine Ingenieure und verkündete triumphierend die neuesten Erfolge des iranischen Atomprogramms.

Irans Präsident Ahmadinedschad: Erfolge des Nuklearprogramms

Irans Präsident Ahmadinedschad: Erfolge des Nuklearprogramms

Foto: AP

In Isfahan weihte Ahmadinedschad an diesem Donnerstag feierlich eine neue Atomanlage ein. Darin solle Uranoxid als Brennstoff für einen geplanten Schwerwasserreaktor hergestellt werden, sagte er bei der Zeremonie. Der Reaktor selbst soll spätestens 2010 in Betrieb genommen werden. Die USA und andere westliche Länder haben wiederholt die Befürchtung geäußert, der Iran könne eines Tages die benutzten Brennstäbe aus dem Schwerwasserreaktor zur Herstellung von Plutonium verwenden und Atomwaffensprengköpfe herstellen. Dabei handelt es sich um einen anderen Prozess als die Urananreicherung, die der Iran trotz internationaler Proteste ebenfalls weiter betreiben will.

Die neue Anlage in Isfahan kann nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur "Mehr" jährlich zehn Tonnen Kernbrennstoff für den Schwerwasserreaktor Arak sowie 30 weitere Tonnen für Leichtwasserreaktoren wie das Atomkraftwerk Buschehr produzieren. Damit beherrscht Iran nun sämtliche Schritte von der Urangewinnung bis zur Urananreicherung.

Laut den Aussagen von Staatschef Ahmadinedschad hat Iran auch zwei neue Arten von Zentrifugen zur Urananreicherung getestet, die über eine höhere Kapazität verfügen. Insgesamt seien in Natans etwa 7000 Zentrifugen in Betrieb, sagte der Leiter des iranischen Atomprogramms, Gholamresa Aghasadeh, anlässlich des "Nationalen Tags der Atomenergie", der in Iran gefeiert wurde. Iran habe damit eine "neue Phase" bei der Urananreicherung erreicht. Zum gesamten Prozess der Herstellung von Brennelementen gehört neben der Urananreicherung auch die Produktion von Uranpellets für Reaktoren sowie die von Brennstäben und deren Bündelung.

Eigenen Angaben zufolge beherrscht Iran nun den gesamten Prozess zur Herstellung nuklearer Brennstoffe. Auch die letzte Stufe des Produktionskreislaufes sei erreicht worden, sagte Aghasadeh.

Im Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte es im Februar geheißen, der Iran betreibe in Natans knapp 4000 Zentrifugen, weitere 1500 wurden demnach aufgebaut oder getestet. Die USA und Europa werfen der Islamischen Republik vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist diese Vorwürfe stets zurück.

"Wir sind bereit, Gespräche zur Atomkraft mit dem Westen zu führen", sagte Ahmadinedschad dem SPIEGEL. "Aber diese Gespräche sollten auf dem Rechtsprinzip, dem Prinzip der Gleichheit und dem Respekt vor den nuklearen Rechten des Iran fußen." Iran habe alle internationalen Abkommen eingehalten und werde keine Abstriche von seinen internationalen Rechten dulden, betonte er. Alle Atom-Aktivitäten stünden unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde.

Ahmadinedschad begrüßte erneut den Ruf Obamas nach einer atomwaffenfreien Welt. "Wir sind sogar bereit, unseren Teil dazu beizutragen", sagte er. Es wird erwartet, dass EU-Chefdiplomat Javier Solana den iranischen Atomunterhändler Said Dschalili kontaktieren und einen Termin für das nächste Treffen vereinbaren wird.

Republik Iran

Gleichwohl blockte der iranische Präsident Obamas Forderungen nach einem Stopp des Uran-Programms kategorisch ab: "Diese Diskussionen sind veraltet. Die Zeit dafür ist vorbei", sagte er in dem SPIEGEL-Gespräch. Ahmadinedschad verbat sich den Vorwurf, sein Land habe bei seinem Nuklearprogramm getarnt und getrickst: "Das ist eine große Lüge!" Der iranische Präsident behauptete erneut, sein Land hege nicht die Absicht, eine Bombe herzustellen: "Wir haben kein Interesse, die Kernwaffe zu bauen."

Obama hatte am Sonntag in Prag zu gemeinsamen Anstrengungen im Kampf für eine Welt ohne Atom-Waffen aufgerufen.

Mit Zurückhaltung reagierte Ahmadinedschad im SPIEGEL-Gespräch auf das Angebot Obamas zu einem Neuanfang in den Beziehungen von Washington und Teheran: "Wir begrüßen Änderungen, allerdings sind sie bis jetzt ausgeblieben", sagte er. "Wir warten darauf, dass Obama seine Pläne bekannt gibt, damit wir sie analysieren können."

Irans Atomprogramm

Bereits vor knapp drei Wochen hatte Obama Iran einen "Neubeginn" der beiderseitigen Beziehungen angeboten. Bisher versuchten die USA und Europa, Iran mit einer Mischung aus Sanktionen und der Aussicht auf weitreichende Wirtschaftsbeziehungen zur Abkehr von seinen Atomplänen zu bewegen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte am Mittwoch angekündigt, künftig direkte Gespräche mit Iran führen zu wollen. Im SPIEGEL-Interview nahm Ahmadinedschad für sich in Anspruch, zuerst die Initiative für einen Neustart ergriffen zu haben: Er habe "einen großen Schritt, einen gewaltigen Schritt" unternommen, als er Obama zu dessen Wahl gratuliert habe. "Wir waren und sind daran interessiert, dass große Veränderungen eintreten", betonte er, "die amerikanische Regierung muss endlich Lehren aus der Vergangenheit ziehen."

Seit der Islamischen Revolution 1980 unterhalten Washington und Teheran keine diplomatischen Beziehungen mehr. Doch seit dem Präsidentenwechsel im Weißen Haus hoffen Beobachter auf einen Neuanfang: Die sogenannte Sechser-Gruppe aus den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland hatte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Mittwoch gebeten, die iranische Regierung zu den Gesprächen einzuladen. Ahmadinedschads Berater Ali Akbar Dschawanfekr lobte das Angebot als "konstruktiv". Für den US-Präsidenten fand Ahmadinedschad im SPIEGEL freundlich-distanzierte Worte: "Wir sprechen sehr respektvoll von Barack Obama. Aber wir sind Realisten."

Die mögliche Annäherung der beiden Staaten droht derzeit von einem neuen Fall überschattet zu werden: Die iranische Justiz hat gegen die US-Journalistin Roxana Saberi Anklage wegen Spionage erhoben. Spionage kann in Iran mit dem Tod bestraft werden. Die USA fordern die sofortige Freilassung Saberis.

beb/AFP/Reuters/AP