Afghanistan Abdul Rahman ist frei
Kabul - Der stellvertretende Staatsanwalt Mohammed Eschak Aloko und Justizminister Sarwar Danish bestätigten am Morgen übereinstimmend, Abdul Rahman habe das Hochsicherheitsgefängnis gestern Abend verlassen. Laut Informationen von SPIEGEL ONLINE befindet sich der 41-Jährige auf einem Uno-Gelände in Kabul und soll noch heute ins Ausland ausgeflogen werden. Spekulationen über einen Flug nach Italien konnten zunächst nicht bestätigt werden.
Ein afghanisches Gericht hatte am Sonntag angeordnet, ihn aus Mangel an Beweisen bald freizulassen. Für die Freilassung gebe es "mehrere Gründe", sagte heite der Justizminister. Zum einen hätten "technische Pannen" die Unterbrechung des Prozesses notwendig gemacht. Zum anderen hätten Rahmans Verwandte auf Rahmans "mentale Probleme" hingewiesen, sagte Danisch. Bei einer Verurteilung hätte Abdul Rahman wegen Abtrünnigkeit vom Islam die Todesstrafe gedroht. Die afghanische Regierung habe substanzielle Probleme in dem Verfahren erkannt und den Fall zurück an das Justizministerium verwiesen, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums gestern in Washington. Der Prozess gegen Abdul Rahman war international mit Empörung aufgenommen worden.
Der Afghane war vor 16 Jahren in Pakistan zum christlichen Glauben übergetreten und lebte neun Jahre in Deutschland, bevor er 2002 nach Afghanistan zurückkehrte. Vor drei Wochen zeigten ihn Familienangehörige an. In der Anklage wurde ihm zur Last gelegt, mit der Abkehr vom Islam gegen das afhanische Gesetz verstoßen zu haben. Nach islamischem Recht droht auf den Abfall vom moslemischen Glauben die Todesstrafe.
Gestern hatten in Afghanistan mehrere hundert aufgebrachte Muslime gegen die Freilassung des Konvertiten demonstriert. Wie die afghanische Polizei berichtete, riefen die Demonstranten im nordafghanischen Masar-i-Scharif anti-westliche Parolen. An die Adresse von US-Präsident George W. Bush hieß es: "Bush, hör auf, Dich in unsere Religion einzumischen, für Deine Religion ist hier kein Platz." Die Demonstranten forderten außerdem "Gerechtigkeit" vom afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. In Masar-i-Sharif sind auch Soldaten der Bundeswehr stationiert.
Selbstmordanschlag in Kandahar
Zwei Selbstmordattentäter haben sich heute in der südafghanischen Stadt Kandahar in die Luft gesprengt, wie Provinzgouverneur Asadullah Chalid mitteilte. Offenbar gab es keine weiteren Toten und Verletzten. Chalid sagte, bei den Attentätern handele es sich vermutlich um Mitglieder der Taliban. Die Polizei sei den Männern auf der Spur gewesen. Den Behörden hätten Geheimdienstinformationen erhalten, wonach Selbstmordattentäter Anschläge in der Stadt planten.
lan/mgb/AP/AFP/Reuters/dpa