Afghanistan Bin Laden droht mit Atomwaffen
Islamabad - Die Zeitung "Dawn" berichtete am Samstag, Bin Laden habe am Donnerstag einem pakistanischen Journalisten gesagt: "Ich wünsche zu erklären, wenn Amerika chemische oder atomare Waffen gegen uns einsetzt, dass wir dann mit chemischen oder atomaren Waffen antworten könnten." Mit den Anschlägen in den USA am 11. September habe er allerdings nichts zu tun.
Bei dem Journalisten, der das Interview mit Bin Laden geführt habe, handelte es sich dem "Dawn"-Bericht zufolge um Hamid Mir, Chefredakteur der pakistanischen Zeitung "Ausaf". "Wir haben diese Waffen zur Abschreckung", habe Bin Laden in dem Interview mit Blick auf Atom- und Chemiewaffen gesagt. Auf die Frage, woher er diese Waffen habe, habe Bin Laden gesagt: "Gehen sie zur nächsten Frage über." In der Ausaf-Version nahm Bin Laden nicht für sich in Anspruch, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Die Zeitung zitierte ihn lediglich mit den Worten, er werde weiter kämpfen, wenn die USA mit Atomwaffen angriffen.
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In Washington sagte US-Präsidialamtssprecher Ken Lisaius, man nehme die Äußerungen Bin Ladens sehr ernst. Die USA hätten schon länger den Verdacht, dass die Organisation versuche, sich chemische, biologische und atomare Waffen zu beschaffen. Die US-Regierung tue alles, um dies zu verhindern.
Die Zeitung "Dawn" brachte ein Foto, das den Journalisten Hamid Mir mit Bin Laden auf einem Sofa zeigt. Zwischen beiden ist ein Sturmgewehr postiert. Mir sei am Donnerstag von der afghanischen Hauptstadt Kabul aus mit einem Jeep und mit verbundenen Augen zu dem Interview mit Bin Laden gefahren worden, berichtete das Blatt weiter. Es sei das erste Interview gewesen, dass Bin Laden einem Journalisten seit den Anschlägen in den USA gewährt habe.
Mir sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag, er habe mit Bin Laden etwa zwei Stunden gesprochen. Die Fahrt von Kabul zu dem geheimen Ort habe etwa fünf Stunden gedauert. Er sei auch sehr gründlich durchsucht worden. Bin Laden sei von rund einem Dutzend Leibwächtern umgeben gewesen. Auch Ayman al-Sawahri aus der Führungsspitze von Bin Ladens Organisation al-Qaida sei dabei gewesen. Während des Interviews sei Luftabwehrfeuer zu hören gewesen. Das Interview sei in einem Raum und nicht in einer Höhle geführt worden. Bin Laden habe die Anschläge in New York und Washington als gerechtfertigt bezeichnet, die Verantwortung hierfür aber abgelehnt, erklärte Mir weiter.
Die britische Zeitung "Times" hatte Anfang November berichtet, Bin Laden habe Nuklear-Material über illegalem Wege aus Pakistan erhalten, das über Atomwaffen verfügt. Der Extremist sei jedoch technisch nicht in der Lage, Atomwaffen zu bauen. Militärexperten sagen aber, konventionelle Sprengsätze könnten mit Nuklearmaterial bestückt und als "schmutzige Bombe" eingesetzt werden. Eine solche Bombe verseuche ein Gebiet von einigen hundert Metern Umkreis radioaktiv. Die Wirkung dieser Bombe hänge von den technischen Fähigkeiten der Konstrukteure und der Qualität des Materials ab. Kein bekannter Nuklear-Wissenschaftler lebt in Afghanistan. Pakistanische Experten schlossen aber nicht aus, dass Bin Laden in der Lage sei, in den Besitz der erforderlichen Technik zu gelangen.
Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums schloss aus, dass Bin Laden von Pakistan Nuklearmaterial erhalten habe. Sein Ministerium hatte zuvor erklärt, dass die Festnahme zweier Wissenschaftler im vergangenen Monat nicht in Zusammenhang mit Nuklear-Fragen gestanden hätten.