Afghanistan Dörfer im Bombenhagel
Kandahar - Am Sonntag beschossen US-Streitkräfte das Hauptquartier der Anti-Taliban-Einheiten in Agom im östlichen Bergland und töteten dabei acht Menschen. Das berichtete der örtliche Milizenchef Mohammed Seman. Zuvor hatten Überlebende von Angriffen auf mehrere Dörfer in der Region berichtet, bei denen es hunderte zivile Opfer gegeben haben soll.
Am Samstag berichteten Bewohner, die US-Jets hätten das Dorf Kama Ado in vier Angriffswellen beschossen und mehr als 25 Bomben abgeworfen. Dabei seien alle 30 Häuser des Bergdorfes zerstört und bis zu 200 Menschen getötet worden, sagte der Überlebende Lalgul. Beim Beschuss des Dorfes Agom kamen laut Augenzeugen mindestens fünf Menschen ums Leben. Der Sicherheitschef der Provinz Nangarhar, Hasrat Ali, sagte, bei einem weiteren Angriff auf das Dorf Chan-e-Muiradschuddin seien in der Nacht zum Samstag mindestens 50 Bewohner getötet worden. Ein Pentagon-Sprecher dementierte in Washington, dass zivile Ziele bombardiert wurden. Zu den Berichten über den Angriff in Agom gibt es noch keine Stellungnahme.
Zuvor hatte das US-Verteidigungsministerium mitgeteilt, die Luftangriffe würden sich neben Kandahar auch auf die Berge südlich von Dschalalabad konzentrieren, wo sich mehr als 600 Taliban-Kämpfer und Mitglieder der Terrororganisation El Kaida in Höhlen versteckt halten sollen. Die bombardierten Dörfer liegen am Fuß der Gebirgskette.
Der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, bezweifelte Berichte, der Islamistenführer Osama Bin Laden halte sich in der Höhlenfestung Tora Bora bei Dschalalabad auf. Tora Bora sei lediglich ein kleiner al-Qaida-Stützpunkt, sagte Abdullah. Er vermute eher, dass sich Bin Laden und seine Gefolgsleute in den südafghanischen Provinzen Helmand, Sabul oder Urusgan aufhielten.
Zum ersten Mal bestätigten unterdessen die südlich von Kandahar gelandeten US-Marineinfanteristen die Anwesenheit von Verbindungsoffizieren aus Deutschland, Großbritannien und Australien auf ihrem Stützpunkt. Die Anwesenheit dieser Offiziere könnte auf einen Strategiewechsel hindeuten. Bislang haben die Amerikaner ihre Kriegsführung in Afghanistan in eigener Regie ausgerichtet.
Die Kämpfe um Kandahar dauern derweil unvermindert an. In Washington erklärte der stellvertretende Generalstabschef Peter Pace: "Dieser Kampf wird weitergehen, bis Kandahar eine freie Stadt ist wie der Rest von Afghanistan." Vor allem Paschtunen, zu deren Kerngebiet Kandahar gehört, greifen die Stadt an. Sie wollen verhindern, dass die Nordallianz, die in den vergangenen Wochen mit Hilfe der USA weite Teile Afghanistans eroberte, auch nach Kandahar vordringt.