Afghanistan: Dutzende Kinder bei Anschlag auf Abgeordnete getötet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Afghanistan Dutzende Kinder bei Anschlag auf Abgeordnete getötet

Es war das schwerste Attentat in der Geschichte Afghanistans. Drei Tage nach dem verheerenden Bombenanschlag im Norden des Landes hat die Regierung eine erschütternde Bilanz vorgelegt: Unter den Toten sind 59 Schuljungen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Masar-i-Scharif - Das ganze Ausmaß der grausamen Tat wird erst heute klar: Bei dem Selbstmordanschlag am Dienstag in der Provinz Baghlan sind 75 Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen 59 Jungen im Schulalter. 93 weitere Schüler seien verletzt, teilte das Bildungsministerium heute mit. Bislang hatte die Regierung von insgesamt 52 Toten gesprochen. Gemeinsam mit ihren Schülern wurden fünf Lehrer getötet und drei weitere verletzt. Sechs Mitglieder einer Abgeordneten-Delegation kamen ebenfalls ums Leben. Früheren Angaben zufolge sind zudem mehrere Polizisten und erwachsene Zivilisten unter den Toten.

Dem Sprecher des Bildungsministeriums zufolge schweben noch immer mehrere Kinder in Lebensgefahr. Ein Junge sei über Nacht seinen Verletzungen erlegen; unter den Toten waren keine Mädchen.

Die Klassen nahmen in Baghlan an der Begrüßung der Parlamentsdelegation in einer von Deutschland geförderten Zuckerfabrik teil, als sich der Selbstmordattentäter mitten unter ihnen in die Luft sprengte.

Die Regierung erließ ein Verbot für Schulen, Klassen zu öffentlichen Anlässen zu schicken. "Der Minister hat die Schulen wiederholt aufgefordert, Kinder nicht an irgendwelchen öffentlichen Begrüßungszeremonien oder Empfängen teilnehmen zu lassen", sagte der Sprecher. Nach dem Anschlag in Baghlan sei die Anordnung verschärft worden.

Die Polizei verhaftete Angaben des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz zufolge zwei Verdächtige. Dabei handelte es sich um den Vorbeter einer Moschee und den Bewohner des Stadtviertels, in dem der Sprengsatz am Dienstag detoniert war. Er äußerte sich nicht dazu, ob die beiden Männer mit Aufständischen in Verbindung stehen. Die radikal-islamischen Taliban hatten die Verantwortung für den Anschlag zurückgewiesen.

Baghlan liegt in dem Gebiet, das von der Bundeswehr im Rahmen des Nato-Einsatzes Isaf kontrolliert wird. Der Anschlag könnte das Vertrauen der Afghanen in die Regierung und die Fähigkeit der etwa 50.000 ausländischen Soldaten untergraben, sechs Jahre nach dem Sturz der Taliban für Sicherheit zu sorgen. Seit Anfang des Jahres haben die Extremisten ungefähr 130 Selbstmordanschläge verübt.

ler/Reuters/AP

Mehr lesen über