Afghanistan: Häuserkampf in Kandahar - DER SPIEGEL
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Afghanistan Häuserkampf in Kandahar

Die Nordallianz hatte bereits gestern verkündet, die letzte Taliban-Hochburg, Kandahar, eingenommen zu haben. Doch das US-Verteidigungsministerium will das nicht bestätigen. Talibanchef Omar hatte angeordnet, die Stadt bis zum letzten Atemzug zu verteidigen.
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Kabul - Die Lage in Kandahar bleibt unklar. Am Donnerstag hatte der stellvertretende Verteidigungsminister der Nordallianz, Bismillah Chan, unter Berufung auf seine Feldkommandeure berichtet, seine Kämpfer seien in die südafghanische Stadt eingedrungen. In den Außenbezirken der Stadt werde gekämpft, man sei noch nicht ins Zentrum vorgedrungen, erklärte Chan. Auch der US-Nachrichtensender CNN berichtet von Paschtunenkämpfern, die sich in der Nähe von Kandahar verschanzt haben sollen. Sie befänden sich bereits in den Vororten der Taliban-Hochburg, meldete der Sender am Freitag.

Pentagon-Sprecher Admiral John Stufflebeem erklärte, er könne Berichte über ein Vorrücken der Taliban-Gegner nach Kandahar weder bestätigen noch dementieren. Es habe aber den Anschein, dass die Taliban sich auflösten. Es sei unklar, wie viele Kommandeure noch zu dem Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar stehen.

US-Kampfflugzeuge hatten nach Angaben des amerikanischen Fernsehsenders CNN über 24 Stunden lang massive Angriffe auf die Stadt geflogen. Einwohner der Stadt im Südosten des Landes berichteten am Donnerstag von pausenlosen Angriffswellen.

Paschtunische Stammesführer hatten mit einigen der Kämpfer in Kandahar über eine Kapitulation verhandelt. Ein Sprecher der paschtunischen Anti-Taliban-Allianz, Mohammed Kadim, sagte, viele afghanische Verteidiger wollten aufgeben. Ihnen werde aber von arabischen Gefolgsleuten Osama Bin Ladens bei einer Aufgabe mit dem Tode gedroht. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar hatte seine Kämpfer aufgefordert, Kandahar bis zum letzten Atemzug zu verteidigen.

Unterdessen konzentrieren sich die US-Streitkräfte auf die Jagd nach Bin Laden und der Führung seines al-Qaida-Netzwerks. "Wir wollen die Führung haben, das ist der Schwerpunkt", erklärte US-Konteradmiral Mark Fitzgerald zu den weiteren Zielen der USA in Afghanistan.

In Kandahar wurde am Donnerstag ein angeblicher US-Spion öffentlich aufgehängt. Der Mann war mit einem Handy angetroffen und verhaftet worden. Ihm wurde vorgeworfen, den US-Truppen die Lage von Zielen für Luftangriffe verraten zu haben.

US-Soldaten einer in Usbekistan stationierten Gebirgsjägerdivision wurden unterdessen nach Nordafghanistan entsandt. Sie sollen vor allem bei der Reparatur der Flugplätze bei Masar-i-Scharif und Bagram helfen, verlautete aus dem US-Verteidigungsministerium. Das kleine Kontingent könne aber keinen Schutz bei großen Bedrohungen bieten, hieß es.

Der Taliban-Führer Omar erneuerte in einem Interview für die polnische Wochenzeitung "Wprost" seine Drohungen gegen die USA. Wenn die Bombardements nicht beendet würden, könnten "unsere amerikanischen Feinde nicht eine Nacht mehr in Frieden schlafen". Afghanistan werde befreit. "Wir bleiben in Kandahar, aber wir werden andere Orte angreifen. In Afghanistan gibt es 40.000 gut ausgerüstete Taliban, die ungeduldig auf den Kampf warten."