Afghanistan-Konferenz Der Optimismus schwindet
Bonn - "Die Atmosphäre ist gut", sagte der stellvertretende UN-Sonderbeauftragte Francesc Vendrell am Mittwoch vor der Presse in Königswinter bei Bonn. Das könne sich allerdings schnell ändern. Ein Scheitern der Konferenz erwarte er dennoch nicht.
"Ich möchte Sie vor der Vorstellung warnen, dass wir es schaffen werden, nach all den Jahren Krieg für alles in vier oder fünf Tagen eine Lösung zu Finden", sagte Vendrell. Ziel der Konferenz sei die Verständigung auf eine "Interims-Autorität", die dem Sturz der Taliban das Machtvakuum in Kabul füllen und die weiteren Schritte für eine Übergangsordnung mit erarbeiten solle.
Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang über die Entsendung einer multinationalen Friedenstruppe. Vendrell bekräftigte die Position der Vereinten Nationen: "Wir denken, dass eine multinationale Streitmacht höchstwünschenswert ist." Bei dieser Frage gebe es aber noch ein ganze Menge Arbeit zu erledigen und eine schnelle Vereinbarung sei nicht zu erwarten.
Die Nordallianz lehnt die Stationierung einer Friedenstruppe ab. Ihr Delegationsleiter Junus Kanuni, sagte, er könne dafür keine Notwendigkeit erkennen. Sollte die Konferenz allerdings für eine solche Truppe entscheiden, werde er sie nicht scheitern lassen. Allerdings spricht die Allianz in Bonn offenbar nicht mit einer Stimme: Nach Ansicht des Hasara-Stammes vertritt die Konferenz nicht die gesamte Bevölkerung Afghanistans. So seien die Usbeken überhaupt nicht vertreten, kritisierte der Sprecher des Handelsministers der Nordallianz, Mohammed Nateghi.
Weiterhin werde auch über eine Rolle für den Ex-König Sahir Schah werde beraten, sagte Francesc Vendrell. "Die Rolle des früheren Königs ist wichtig." Es gebe auch Signale aus den Delegationen, die dem im römischen Exil lebenden früheren Monarchen eine solche Rolle zuweisen wollten. Laut Vendrell ist auf der Konferenz bisher noch nicht über die zahlenmäßige Vertretung der einzelnen Stämme in einer Übergangsordnung gesprochen worden.
Die Vereinten Nationen setzen darauf, dass die Tagung vor dem 5. Dezember zu Ende geht. Dann wird in Berlin eine Geberkonferenz für die Afghanistanhilfe stattfinden.