Afghanistan Lebenszeichen von Bin Laden
Berlin - "Er lebt, ist im Einsatz und es geht ihm gut", behauptete Hadschi Mansur Dadullah heute gegenüber dem Fernsehsender al-Dschasira. Unklar blieb, wann und unter welchen Umständen das Interview mit Dadullah aufgezeichnet wurde. Osama Bin Laden ist seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 untergetaucht, in unregelmäßigen Abständen hat er Video- und Audiobotschaften verbreiten lassen - zuletzt im Januar 2006. Die USA gehen davon aus, dass er sich im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan aufhält - wenn er überhaupt noch lebt.
Hadschi Mansur Dadullah, der nun die Botschaft Bin Ladens erhalten haben will, ist der Bruder des Taliban-Kommandeurs Mullah Dadullah, der bei Gefechten zwischen Aufständigen und afghanischen sowie internationalen Soldaten vor drei Wochen getötet wurde. Der Leichnam Dadullahs befindet sich seitdem in den Händen der afghanischen Regierung - sehr zum Unmut der Taliban.
Taliban köpfen Geisel
Unterdessen haben die Taliban nach eigenen Angaben eine Geisel getötet. Auch in diesem Fall spielt der Name Dadullah eine Rolle. Nachdem die Regierung in Kabul nicht die Forderung erfüllt habe, den Leichnam Dadullahs auszuhändigen, sei nun ein Arzt namens Abdul Chalil geköpft worden, sagte ein Sprecher der Taliban.
Dabei hatte es zunächst nach einer Lösung ohne Opfer ausgesehen: Nachdem die Taliban im März in der südafghanischen Stadt Kandahar fünf Geiseln genommen hatten - jenen nun hingerichteten Arzt, drei Krankenschwestern und einen Fahrer -, forderten sie die Freilassung inhaftierter Kameraden. Als die afghanische Regierung dies ausschloss, stellten die Taliban neue Forderungen: Sie wollten den Leichnam ihres Kommandeurs Mullah Dadullah erhalten. Im Gegenzug sollten dann die fünf Geiseln freigelassen werden.
Verhandlungen zwischen Regierung und Taliban
Ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums hatte daraufhin am Montag gesagt, dass es vermutlich bald zu einem solchen Austausch kommen werde. Entsprechende Verhandlungen hätten stattgefunden. Der Leichnam Dadullahs solle bald an seine Familie übergeben werden. Die BBC berichtete allerdings heute, dass die Taliban jedoch zu keiner Zeit garantiert hätten, die Geiseln freizulassen. Der Austausch scheiterte aus bisher ungeklärten Gründen: Vier Geiseln sind jedenfalls in der Gewalt der Taliban, der Leichnam Mullah Dadullahs ist in den Händen der afghanischen Regierung.
Mullah Dadullah war ranghoher Rebellenführer. Bei Gefechten zwischen Aufständigen und afghanischen sowie Nato-Streitkräften wurde Mullah Dadullah am 12. Mai getötet. Schon in den Achtziger Jahren hatte sich Dadullah aufgrund seiner Brutalität einen Namen gemacht. Im Widerstand gegen die Besatzung Afghanistans durch die Sowjetunion verlor Dadullah ein Bein.
tos/reuters/afp/BBC