Afghanistan Nato-Chef propagiert Härte gegen Taliban
Brüssel - Mehr als 200 britische Soldaten sind bei ihrem Einsatz in Afghanistan gefallenen - Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nimmt die traurige Bilanz zum Anlass, um die Entschlossenheit des Bündnisses im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban zu bekräftigen. "Das ist wirklich ein hoher Preis", heißt es in einer Erklärung Rasmussens zum Tod der britischen Soldaten in Afghanistan vom Sonntag in Brüssel. "Mir ist dieser Verlust schmerzlich bewusst - ebenso wie jener der anderen Nationen, die an der Afghanistan-Schutztruppe Isaf beteiligt sind."
"Auch in dieser Zeit der Trauer hoffe ich, dass die Menschen verstehen können, dass wir diese Verluste in einer Sache erleiden, die von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit der 42 Isaf-Staaten ist", erklärte Rasmussen. "Die Stabilisierung Afghanistans, um eine Rückkehr des uns alle bedrohenden Terrorismus zu verhindern, bleibt eine Aufgabe von kritischer Bedeutung." Der Nato-Generalsekretär erklärte, es gehe darum, den Afghanen zu helfen, selbst für die Sicherheit in Afghanistan zu sorgen. "Die Entschlossenheit der Nato wird in den vor uns liegenden Monaten voller Herausforderungen stark bleiben."
Zuvor hatte das Verteidigungsministerium in London mitgeteilt, dass die Zahl der in Afghanistan getöteten britischen Soldaten die Marke von 200 erreicht habe. Ein Soldat, der am Donnerstag bei einer Explosion in der Provinz Helmand verwundet worden war, starb am Samstag in einem Krankenhaus in England. Er war der zweihundertste in Afghanistan getötete britische Soldat. Premierminister Gordon Brown sprach von einer "zutiefst tragischen Nachricht".
Ebenfalls in Helmand wurde am Samstag ein weiterer Soldat bei einer Explosion so schwer verwundet, dass er später seinen Verletzungen erlag, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Inzwischen sind in Afghanistan mehr britische Soldaten ums Leben gekommen als im Irak, wo es 179 Tote gab. Die steigende Opferzahl hat in Großbritannien eine Debatte über den Einsatz entfacht. Meinungsumfragen zufolge sind die Briten in dieser Frage gespalten. Etwa die Hälfte unterstützt den Einsatz, genau so viele lehnen ihn ab. Brown bekräftigte am Samstag, der Kampf gegen die Taliban sei unerlässlich für die Sicherheit Großbritanniens. In Afghanistan sind etwa 9000 britische Soldaten stationiert, überwiegend in der Provinz Helmand im Süden des Landes.
Gewalt auch am Sonntag: Am nordafghanischen Bundeswehr-Standort Kunduz haben sich afghanische Sicherheitskräfte und Aufständische erneut Feuergefechte geliefert. Ein Bundeswehr-Sprecher sagte, seit dem Vorabend sei es zu "einigen" Kämpfen gekommen. Opferzahlen seien nicht bekannt. Drei verletzte afghanische Soldaten würden im deutschen Rettungszentrum in Kunduz behandelt und in das Bundeswehr- Krankenhaus nach Masar-i-Scharif ausgeflogen.
Trotz der zunehmenden Taliban-Angriffe im Norden Afghanistans schätzt die SPD-Verteidigungsexpertin Ulrike Merten (SPD) unterdessen die Lage in dem Gebiet als "vergleichsweise ruhig" ein. "Die Wahrnehmung, dass der gesamte Norden zu einem Kampfgebiet geworden ist, ist falsch", sagte die Verteidigungsexpertin im Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier der Nachrichtenagentur AFP. Lediglich auf rund zehn Prozent der Fläche im Norden des Landes würden sich die Anschläge und Kämpfe konzentrieren.
So herrsche in Masar-i-Scharif und Faisabad "relative Ruhe", während die Situation in Kunduz "schwierig" sei, sagte Merten. In allen drei Orten hat die Bundeswehr Stützpunkte.
Insgesamt sind im Norden des Landes rund 3900 deutsche Soldaten der Nato-Truppe Isaf stationiert. Mit dem Näherrücken der Präsidentschaftswahl am 20. August haben die radikalislamischen Taliban ihre Angriffe verstärkt und diese auch im Norden intensiviert.
Erst am Samstag war ein deutscher Soldat bei Gefechten mit Taliban leicht verletzt worden. Bei einem Anschlag vor den Isaf-Hauptquartier in Kabul kamen sieben Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.
Die Taliban drohen damit, bei der Präsidentenwahl in Afghanistan am kommenden Donnerstag Wahllokale direkt anzugreifen. Auf Flugblättern, die am Sonntag im Süden des Landes verteilt wurden, hieß es: "Die geachteten Einwohner sollen darüber informiert werden, dass sie nicht an den Wahlen teilnehmen dürfen, weil sie sonst Opfer unserer Operationen werden."
Heftige Kritik an der Afghanistan-Strategie der Bundesregierung übte die Welthungerhilfe. Die Organisation forderte eine strikte Trennung von Wiederaufbauhilfe und Militäreinsatz. Die sogenannte zivil-militärische Zusammenarbeit etwa in den Wiederaufbauteams der Bundeswehr sei ein "Sündenfall", schreibt Generalsekretär Wolfgang Jamann in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag".