Afghanistan: Nothelfer flüchten - DER SPIEGEL
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Afghanistan Nothelfer flüchten

Die afghanischen Taliban wollen jetzt selbst entscheiden, welche ihrer Landsleute Hilfsgüter aus dem Ausland erhalten sollen. Sie werfen deshalb eine Hilfsorganisation nach der anderen aus dem Land.
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Kabul - "Wir glauben, dass die meisten Nicht-Regierungsorganisationen ihre eigenen Ziele verfolgen. Wenn sie armen und bedürftigen Afghanen helfen wollen, ist es besser, wenn sie uns die Verteilung der Hilfsgüter überlassen, weil wir besser wissen, wer sie verdient", sagte der Taliban-Vertreter weiter.

Die ersten drei von insgesamt acht deutschen Mitarbeitern von zwei US-Hilfeorganisationen haben unterdessen die afghanische Hauptstadt Kabul am Samstag verlassen. In Kabul hieß es, die drei Mitarbeiter der Hilfsorganisation IAM seien mit ihren Familien in Richtung Pakistan gefahren.

Die radikal-islamischen Taliban hatten am Freitag den christlichen Organisationen IAM und SERVE die Tätigkeit in Afghanistan untersagt. Ihre insgesamt rund 50 ausländischen Mitarbeiter wurden aufgefordert, das Land binnen 72 Stunden zu verlassen. Es gebe auch Untersuchungen gegen andere ausländische Hilfsorganisationen, sagte ein Taliban-Vertreter am Samstag.

Außenminister Wakil Ahmad Mutawakil ermunterte nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP ausländische Hilfsorganisationen ausdrücklich, ihre Arbeit im Land fortzusetzen. Allerdings müssten sie ein wachsames Auge auf ihre Mitarbeiter haben, damit diese die Regeln der Taliban nicht verletzten. Konkrete Maßnahmen gegen weitere Organisationen wegen Verdachts christlicher Missionierung seien nicht geplant, versicherte er.

Nach Angaben des Außenministers gab es Berichte, dass auch die Hilfsorganisationen IAM und SERVE das Christentum propagiert hatten. Vor rund vier Wochen waren vier deutsche, zwei amerikanische, zwei australische sowie 16 einheimische Helfer der Organisation "Shelter Now" wegen christlicher Missionierung festgenommen worden. Sie sind nach wie vor inhaftiert.