Afghanistan Parlamentswahlen werden verschoben
Die Bevölkerung Afghanistans wählt am 9. Oktober zum ersten Mal in der unruhigen Geschichte des Landes einen Staats- und Regierungschef. Dieses Datum - im afghanischen Kalender ist es der 18. Mizan - bestimmte am Freitag der Vorsitzende der staatlichen Wahlkommission, Sakim Schah. Die ursprünglich zur gleichen Zeit geplante Parlamentswahl soll aber erst im März oder April 2005 stattfinden.
Die allgemeinen Wahlen sind Ziel eines langwierigen Prozesses, der nach dem Afghanistan-Krieg der USA und dem Sturz des islamisch-fundamentalistischen Taliban-Regimes Ende 2001 begann. Die wichtigsten Stationen des Prozesses wurden während der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersburg bei Bonn beschlossen.
Es wird erwartet, dass der während der Afghanistan-Konferenz eingesetzte Präsident Hamid Karzai die Wahl gewinnen wird. Da es mindestens sechs weitere Kandidaten gibt, ist es möglich, dass es im ersten Wahlgang noch keine absolute Mehrheit gibt. In diesem Fall kommt es am 23. Oktober zur Stichwahl.
Die Wahlkommission appellierte an die Regierung wie an die internationale Gemeinschaft, für ein sicheres Umfeld für Kandidaten und Wähler zu sorgen. Bis zur Wahl sollen 60.000 Angehörige von regionalen Milizen entwaffnet werden. Dieser Anweisung sind bislang aber nur etwa 10.000 Kämpfer gefolgt.
Offiziell wurden für die Verschiebung keine Gründe genannt. Jedoch ist allen Beobachtern klar, dass die verschlechterte Sicherheitslage der Kerngrund ist. Immer wieder waren in den letzten Wochen Wahlteams angegriffen oder gar getötet worden. Im Norden und Süden des Landes kamen die Wahlvorbreitungen deshalb zum Erliegen.