Afghanistan: Sieben Minenräumer geköpft - DER SPIEGEL
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Afghanistan Sieben Minenräumer geköpft

Grausiger Anschlag in Afghanistan: Schon wieder wurden Mitarbeiter einer Hilfsorganisation Opfer der Taliban. US-Verteidigungsminister Panetta gibt sich bei einer Kabul-Visite trotzdem optimistisch. Nach dem Tod von Osama Bin Laden sei der Sieg über al-Qaida nur noch eine Frage der Zeit, glaubt er.
Trauerfeier für einen am 5. Juli gefallenen Kameraden: Anhaltende Partnerschaft nötig
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Foto: TED ALJIBE/ AFP
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Herat/Kabul - Der neue US-Verteidigungsminister Leon Panetta wähnt die USA bereits kurz vor dem Sieg über das Terroristennetzwerk al-Qaida. Die Befriedung Afghanistans ist damit allerdings noch lange nicht verbunden. Dort verbreiten Aufständische wie die radikalislamischen Taliban aber auch Kriminelle nach wie vor Angst und Schrecken - unter den Nato-Soldaten, der Bevölkerung aber auch unter zivilen und militärischen Helfern.

Am Sonntag bargen Polizisten und Stammesälteste in der westlichen Provinz Farah die geköpften Leichen von sieben Männern, die im Auftrag der Hilfsorganisation Demining Agency for Afghanistan verminte Gebiete von den gefährlichen Sprengsätzen befreien. Die Männer waren am Mittwoch mit einer Gruppe von insgesamt 28 Minenräumern im Bezirk Bala Buluk, einer Taliban-Hochburg, entführt worden. Zunächst hatte sich aber niemand zu der Entführung bekannt. Das Schicksal der übrigen 21 Geiseln war nach Polizeiangaben unklar.

In Afghanistan sind Entführungen an der Tagesordnung. Dahinter stecken sowohl Taliban als auch Kriminelle, denen es nur um Lösegeldzahlungen geht. Im Dezember waren in der ostafghanischen Provinz Khost 18 Mitarbeiter einer anderen Minenräum-Organisation verschleppt worden. Sie wurden nach nur einem Tag unverletzt von Soldaten befreit.

Sechs Tote an einem Wochenende

Aber auch die Nato leistet immer noch täglich Blutzoll für ihr Engagement. Bei neuen Anschlägen gegen die Internationale Schutztruppe in Afghanistan kamen am Sonntag erneut vier Nato-Soldaten ums Leben. Wie die Isaf am Sonntag mitteilte, starben im Osten des Landes zwei Einsatzkräfte bei Angriffen von Aufständischen. Ein weiterer Soldat wurde bei einer ähnlichen Attacke im Süden getötet. Zudem habe ein Soldat in Südafghanistan sein Leben bei einem Bombenanschlag verloren. Zu Einzelheiten äußerte sich die Isaf nicht. In der Region sind vor allem US-Soldaten und Briten stationiert.

Bereits am Samstag waren bei einer Schießerei in der Provinz Pandschir im Nordosten des Landes zwei Nato-Soldaten getötet worden. Wie die afghanischen Behörden mitteilten, war der Angreifer ein einheimischer Wachmann, der das Feuergefecht nicht überlebte. Nach Zählung des unabhängigen Internetdienstes icasualties.org starben damit seit Jahresbeginn mehr als 290 Nato-Soldaten am Hindukusch.

Die unverändert heikle Sicherheitslage hat auch bei den Verantwortlichen zu einer gewissen Ratlosigkeit geführt, was die zukünftige Strategie für das krisengeschüttelte Land betrifft. Panetta brach am Samstag zu einer Visite seiner Truppen am Hindukusch auf. In Kabul traf sich der Pentagon-Chef dann unter anderem mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.

Produktive Gespräche

Bei Panettas Gespräch mit Karzai ging es unter anderem um die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Streitkräfte in einigen Regionen nach dem ersten Abzug von US-Truppen Mitte des Monats. Das Treffen sei "sehr produktiv" verlaufen, sagte Panetta. "Wir erkennen beide an, dass wir eine anhaltende Partnerschaft benötigen." Der Pentagon-Chef wollte auch mit dem Innen- und dem Verteidigungsminister Afghanistans zusammentreffen.

Der Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida verläuft dagegen aus Sicht Panettas wesentlich erfolgreicher. Die strategische Niederlage des Terrornetzwerks sei "in Reichweite", sagte Panetta am Samstag.

Panetta zufolge haben die USA seit der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden zehn bis 20 Führungsfiguren in Pakistan, Jemen, Somalia und im Maghreb identifiziert. "Wenn wir uns die vorknöpfen, ist ein Sieg über al-Qaida von einem strategischen Standpunkt aus wirklich möglich", sagte er im Militärflugzeug auf dem Weg nach Kabul.

Anfang vom Ende für al-Qaida

Mit dem Ausschalten von Bin Laden sei bereits ein Anfang getan, um das Netzwerk zu besiegen, sagte der frühere CIA-Chef, der das Pentagon am 1. Juli von Robert Gates übernommen hatte. Sowohl in seiner früheren als auch in seiner jetzigen Funktion sei er davon überzeugt, dass die strategische Niederlage al-Qaidas nicht mehr weit sei. Es sei nun der richtige Zeitpunkt, um weiterhin "maximalen Druck" auf das Terrornetzwerk auszuüben.

Nach Angaben des scheidenden US-Oberbefehlshabers am Hindukusch, General David Petraeus, befinden sich in Afghanistan derzeit noch "50 bis 100" Qaida-Kämpfer. Diese würden sich vor allem in den östlichen Provinzen Kunar und Nuristan verschanzen, sagte der General, der als Nachfolger Panettas an der CIA-Spitze feststeht.

US-Präsident Barack Obama hatte am 22. Juni den Abzug von 33.000 US-Soldaten bis Ende September 2012 angekündigt, die er Ende 2009 zur Verstärkung nach Afghanistan geschickt hatte. Rund 10.000 von ihnen sollen das Land bis Ende des Jahres verlassen.

mik/dpa/AFP