Afghanistan: Taliban peitschen sechs Männer aus - DER SPIEGEL
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Afghanistan 39 Peitschenhiebe - Taliban bestrafen mehrere Männer

Sie foltern Menschen, erhängen oder erschießen sie. In immer mehr Regionen Afghanistans üben die Taliban Selbstjustiz. Sie wollen damit Macht und Einfluss demonstrieren.
Bilder einer Steinigung in Afghanistan
Bilder einer Steinigung in Afghanistan

Bilder einer Steinigung in Afghanistan

Foto: AFP PHOTO/RADIO FREE EUROPE/ RADIO LIBERTY
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Die radikalislamischen Taliban haben in der ostafghanischen Provinz Gasni nach eigenen Angaben sechs Männer bestraft. Für ihre angeblichen Vergehen erhielten sie zwischen 25 und 39 Peitschenhiebe. Fünf der Männer seien Diebe gewesen, einer sei beim Sex außerhalb der Ehe erwischt worden, heißt es in der Stellungnahme. Lokale Behörden bestätigten das. Menschenrechtler zeigen sich besorgt.

Zuletzt gab es vermehrt Berichte über Bestrafungen dieser Art: Die Nachrichtenagentur Pajhwok spricht von sieben weiteren Opfern allein in Gasni. Weitere Fälle von Taliban-Selbstjustiz werden seit Monaten auch aus anderen Landesteilen berichtet.

Menschenrechtsaktivisten warnen vor einer Rückkehr der archaischen Strafen der Taliban, die Afghanistan ausschließlich unter dem Scharia-Gesetz sehen wollen. Dazu zählen Steinigungen, öffentliche Prügel, Exekution durch den Strang oder die Kugel. Mit solchen Mitteln hatten sie das Land vor Beginn der internationalen Intervention vor 15 Jahren regiert. Die Scharia ist die Summe aller Regeln für das Leben der Gläubigen.

Aber auch staatliche Gerichte sprachen in der Vergangenheit schon ähnliche Urteile. 2013 hatte sogar die afghanische Regierung die Wiedereinführung der Steinigung ins Spiel gebracht, nahm den Vorschlag aber nach internationalen Protesten zurück.

Zeichen für Kontrolle des Gebiets

"Wir sehen einen Anstieg, und das ist eine große Sorge für uns", sagte der Leiter der Investigationsstelle bei der afghanischen Menschenrechtskommission, Hussain Moin. " Die Kommission habe die Regierung oft gebeten zu ermitteln. "Aber weil diese Dinge oft in unsicheren Gegenden passieren, kann die Regierung dort nicht tätig werden." Die Taliban gingen so vor, weil sie den Leuten beweisen wolle, dass sie da sind und Kontrolle über ein Gebiet haben, sagte ein Provinzratsmitglied.

Der Anstieg der Fälle geht einher mit mehr Einfluss oder sogar Kontrolle der Taliban in meist ländlichen und abgelegenen Bezirken Afghanistans. Nach einem Bericht des Spezialinspekteurs des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan aus dem Oktober sind 33 der 407 Bezirke Afghanistans unter der Kontrolle oder dem Einfluss er Taliban. 116 weitere Bezirke seien umkämpft.

mho/dpa