Afghanistan: US-Kampfbomber tötet neun Kinder - DER SPIEGEL
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Afghanistan US-Kampfbomber tötet neun Kinder

Bei einem US-Luftangriff auf einen gesuchten Taliban-Funktionär in Afghanistan sind neun Kinder getötet worden. Der amerikanische Botschafter in Kabul, Zalmay Khalilzad, äußerte sich am Sonntag "zutiefst traurig über den tragischen Verlust von unschuldigem Leben" und telefonierte mit Ministerpräsident Hamid Karsai.
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Ghasni - Der Tod von neun Kindern bei einem US-Luftangriff belastet erneut das Verhältnis zwischen Amerikanern und der afghanischen Bevölkerung. Der Angriff bei Ghasni, 160 Kilometer südwestlich der Hauptstadt, richtete sich gegen den früheren Taliban-Kommandeur Mullah Wasir, wie der US-Botschafter in Kabul, Zalmay Khalilzad, mitteilte. Ob dieser getötet wurde, war am Tag nach dem Angriff unklar.

"Wir wussten nicht, dass Kinder in der Nähe waren", sagte der amerikanische Major Christopher West auf dem US-Stützpunkt Bagram. Dem Angriff seien intensive Erkundungen vorausgegangen. Der Gesuchte sei beim Angriff des A-10-Kampfflugzeugs in seinem Versteck getötet worden, sagte der Militärsprecher.

Hingegen erklärte der Sekretär des Gouverneurs von Ghasni, Dschawaid Chan: "Die Amerikaner wollten Mullah Wasir bombardieren, aber sie haben ein anderes Haus bombardiert." Wasir sei nicht getötet worden. Der Angriff habe die Bevölkerung der Ortschaft Atla in Angst und Schrecken versetzt. "Sie haben keine Ahnung, warum die Amerikaner ihr Dorf bombardiert haben."

Der Tod von einfachen Einwohnern bei Einsätzen der 11.500 Soldaten unter US-Befehl hat schon wiederholt für tiefen Unwillen in der Bevölkerung gesorgt. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich im Juli 2002: Damals wurde in der an Ghasni angrenzenden Provinz Urusgan ein Hochzeitsfest aus der Luft bombardiert; nach afghanischen Angaben kamen 48 Menschen ums Leben und 117 wurden verletzt. Aber auch in diesem Jahr gab es schon mehrfach Angriffe, bei denen nicht nur versprengte Taliban- und al-Qaida-Kämpfer getötet wurden. Am 9. April wurde irrtümlich ein privates Wohnhaus bombardiert; elf Menschen kamen ums Leben. Mindestens acht wurden am 31. Oktober beim Angriff auf ein Haus in der Ostprovinz Nuristan getötet.

US-Botschafter Khalilzad sagte, er sei über den "tragischen Verlust von unschuldigem Leben" zutiefst traurig. Dies habe er auch Ministerpräsident Hamid Karsai in einem Telefongespräch versichert. Und Major West erklärte: "Wir folgen genauen Regeln für den Kampfeinsatz, um solche Art von Zwischenfällen zu vermeiden, wenn wir Terroristen angreifen, welche die Zukunft Afghanistans bedrohen."

Unter dem Ende 2001 gestürzten Taliban-Regime war Wasid ein örtlicher Kommandeur. Danach war er nicht als maßgebliche Figur des Taliban-Widerstands hervorgetreten. Der örtliche Beamte Ahmad Sia Masud sagte jedoch, Wasir habe am Freitag auf US-Hubschrauber geschossen. Nach Angaben der US-Streitkräfte wurde der Gesuchte mit dem Tod von zwei ausländischen Firmenvertretern in Verbindung gebracht, die am Bau einer Straße mitwirkten.

Aijaz Rahi, AP