Afrika-Giftmüll: Alarm in Dessau - DER SPIEGEL
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Afrika-Giftmüll Alarm in Dessau

Die Affäre um den Frachter "Probo Koala", der Giftmüll an die Elfenbeinküste brachte, weitet sich aus. Neue Dokumente belegen: Die Betreiberfirma, der Handelsmulti Trafigura, hat weiter Schiffe für das Umfüllen und Mischen von petrochemischen Produkten der spanischen Küste eingesetzt.
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Hamburg - Damit wurden offenbar europäische Gesetze zum Umgang mit toxischen Stoffen umgangen und die Abfallstoffe mit tödlichen Folgen nach Afrika verbracht. Das Dessauer Bundesumweltamt (UBA) prüft Hinweise, wonach der Export von giftigen Schiffsabfällen an die Elfenbeinküste auch deutsches Recht verletzt hat.

So passierte der Tankfrachtschiff "Probo Koala" auf dem Weg von Amsterdam nach Abidjan via Estland auch deutsche und dänische Gewässer. Bei einer Passage durch den Nord-Ostseekanal muss der Transport von "gefährlichen Abfällen" nach der Baseler Konvention bei den jeweiligen Ländern angemeldet und genehmigt werden.

"Wir haben um entsprechende Informationen bei den Vereinten Nationen und dem Büro der Basler Konvention gebeten, sagt ein Sprecher von UBA-Präsident Andreas Troge. Entgegen den bisherigen Angaben des "Probo Koala"-Auftraggebers, der Ölhandelsfirma Trafigura (Weltumsatz: 22 Milliarden Euro), in den Niederlanden belegen neue Dokumente, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, weitere geplante Transporte von Tankreinigungsmitteln, deren Entsorgung in Afrika bislang zu einem halben Dutzend Toten und 10.000 Erkrankungsfällen führte.

So sollen die "Probo Koala" sowie weitere Schiffe wie die "Probo Emu", die "Zadar" und die "Moselle" vor der spanischen Küste von Gibraltar außerhalb der Hoheitsgewässer Tankrückstände umgeladen haben. Nach einem vorliegenden Dokument übernahm die "Probo Koala" unter dem Agenten Global Shipping bereits am 29. April 2006 eine unbekannte Ladung von chemischen Stoffen, mit denen Benzin, dessen Qualität nicht den europäischen Standards entspricht, für den Verkauf in Afrika angereichert wurde.

Nach den Routenaufzeichnungen diente der Mehrzweck-Transporter als eine Art Bunkerschiff vor Algeciras und Gibraltar, um offenbar diese fortlaufende Beimischung von chemischen Substanzen für Lieferungen nach Afrika durchzuführen. Solches "sweetening" von petrochemischen Produkten unterliegt nach EU-Recht an Land bestimmten Bedingungen, mit Hilfe einer so genannten "ship-to-ship" Operation, die von einer Firma Melbourne Marine Services aus dem britischen Sunderland ausgeführt wurden, werde das umgangen.

Die Ölhandelsfirma Firma Trafigura bestreitet in illegale Umladeaktionen verwickelt zu sein. "Das sind ganz normale geschäftliche Transaktionen", sagt Trafigura-Sprecher Jan Maat in Amsterdam. Die Zuständigkeit für die Öltransporte und ihre technische Durchführung lägen aber bei Trafigura in London. Das Handelsbüro in einem repräsentativen Bürokomplex in Amstelveen in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Amsterdam sei lediglich mit drei Mitarbeitern ausgestattet. Die Holding der Öl- und Rohstoffhandelsfirma Trafigura ist wiederum im schweizerischen Luzern ansässig.

Die Staatsanwaltschaft in Amsterdam bestätigt inzwischen, dass die "Probo Koala" im Mai und Juni zur Veredelung von 70.000 Tonnen petrochemischer Produkte Off-Shore chemische Substanzen zur Verminderung des Schwefelgehalts beigegeben habe. In der Hochpreis-Periode für Benzin habe die Firma dadurch einen Extragewinn von 5,5 Millionen Euro gemacht, wie die niederländische Zeitung "De Volkskrant" berichtet.

Die dabei entstandenen Rückstände konnten in Amsterdam als angeblicher "Schiffsabfall" nicht entsorgt werden, und wurden schließlich nach Abidjan verbracht. Statt Entsorgungskosten von rund 500.000 Euro für die gesamte Ladung in Europa seien an der Elfenbeinküste nur 15.500 Euro verlangt worden. Trafigura-Sprecher Maat hält gegenüber SPIEGEL ONLINE daran fest, dass die Firma jederzeit "verantwortlich gehandelt" habe.