Aids-Bekämpfung Annan fordert Kriegskasse
Abuja - Ein Quantensprung in der Finanzierung der Aids-Hilfe sei nötig, forderte Annan auf dem Anti-Aids-Gipfel der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Zurzeit beliefen sich die Mittel für die Aids-Hilfe in den Entwicklungsländern derzeit weltweit nur auf etwa eine Milliarde Dollar, sagte Annan. Es sei jedoch die zehnfache Summe notwendig, die dann immer noch lediglich ein Prozent der globalen Militärausgaben ausmache.
"Wir müssen öffentliche wie private Spender davon überzeugen, dass dieses Geld gut angelegt ist", sagte Annan. Das Geld sei unter anderem nötig zur Behandlung, für Aufklärungskampagnen, für die Forschung, zum Ausbau des Gesundheitswesens und zur Versorgung von Aids-Waisen. Erstes Ziel müsse es sein, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Annan.
Die Politiker der afrikanischen Länder rief er auf, "die Mauer des Schweigens und der Scham zu durchbrechen, die dieses Thema immer noch in zu vielen afrikanischen Gesellschaften umgibt". Infizierte dürften nicht länger ausgegrenzt und stigmatisiert werden. Frauen müssten größere Rechte bekommen und stärker über ihr Leben bestimmen dürfen, betonte Annan.
Bis Ende dieses Jahres werden weltweit 36,1 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert sein, wobei für 2001 etwa 5,3 Millionen Neuinfektionen prognostiziert werden. Seit Ausbruch der Seuche vor rund 20 Jahren fielen ihr fast 22 Millionen Menschen zum Opfer. Am stärksten grassiert sie in Afrika. "Afrika wird nicht länger mit dieser Katastrophe allein gelassen", machte Annan in seiner Rede Hoffnung. "Seine Not hat Aufmerksamkeit erregt und das Gewissen der ganzen Welt aufgerüttelt."
Microsoft-Gründer Bill Gates, der Annan im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit unterstützt, begrüßte die Forderung nach einem internationalen Fonds. Er forderte die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, sich in großem Ausmaß zu beteiligen. "Länder wie die USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien, Japan und Deutschland sollten alle zusammenkommen und den Aufruf des Generalsekretärs unterstützen", sagte Gates. "Wenn sie das nicht tun, werden aus den 36 Millionen Aids-Infizierten bald 136 Millionen."