Interview von CNN-Starmoderator "Glauben Sie wirklich, Sie sind ein Champion der Gay-Community?"
Anderson Cooper (Archivbild 2012)
Foto: Astrid Stawiarz / Getty ImagesDas Interview dauert nur wenige Minuten, es beginnt noch recht freundlich, dann wird die Stimmung der beiden Beteiligten zunehmend gereizter, sie fallen sich ins Wort. Am Ende gibt es einen Handschlag, viele "Danke, Danke"-Bekundungen, die kaum unehrlicher wirken könnten.
Die Beteiligten, das sind CNN-Starmoderator Anderson Cooper und Floridas republikanische Generalstaatsanwältin Pam Bondi. In dem US-Bundesstaat fand am vergangenen Sonntag das Attentat im Nachtklub Pulse statt, der Täter hatte dort 49 Menschen erschossen - ein Angriff, der vor allem Mitglieder der LGBT-Gemeinde traf (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender).
Bondi hatte sich in der Vergangenheit gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen. Cooper ist homosexuell.
Vor wenigen Tagen verlas der Moderator im Fernsehen die Namen der Todesopfer , mehrfach brach ihm dabei die Stimme, er kämpfte mit den Tränen. Das Thema geht ihm nahe, das sah man dabei deutlich - und das sieht man auch bei seinem Interview mit Bondi.
Anderson Cooper grills Florida AG Pam Bondi over gay rights record https://t.co/VxN5L58Ih6 https://t.co/pGTkx0KVkN
— CNN (@CNN) June 15, 2016
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Er habe in den vergangenen Tagen mit vielen Menschen aus der LGBT-Gemeinde gesprochen, sagt er, und keiner davon sei ein großer Fan Bondis. Auch, weil sie 2014 vor Gericht gestanden und gesagt hatte, die gleichgeschlechtliche Ehe stelle eine Bedrohung für die Öffentlichkeit dar. "Glauben Sie wirklich, Sie sind ein Champion der Gay-Community?"
Sie habe nie gesagt, dass sie etwas gegen Homosexuelle habe, kontert Bondi. Sie habe damals vor Gericht lediglich geltendes Recht vertreten (inzwischen ist die Homo-Ehe in Florida legal). Cooper hakt nach, ob ihre Aussagen nicht auch als Botschaft verstanden werden könnten für Menschen, die ohnehin Schlechtes im Schilde führten.
Bondi versucht, das Thema allgemeiner zu fassen und betont, es gehe "heute um die Opfer". Cooper: "Um schwule und lesbische Opfer." Er höre heute zum ersten Mal, dass sie etwas Positives über Homosexuelle sage. Und so geht es weiter. Und weiter.
In zahlreichen US-Medien und Beiträgen in sozialen Netzwerken wird Cooper für sein Interview nun gefeiert. Er habe Bondi "absolut gegrillt" ("Washington Post "), ihr "die Leviten gelesen" ("Politico ") oder sie "daran erinnert, dass ihre Behörde die Rechte der LGBT-Gemeinde keineswegs unterstützt" ("Jezebel ").
Pam Bondi
Foto: Scott Audette / REUTERS