Angriffe auf Afghanistan Rumsfeld sieht Taliban-Regierung außer Funktion
Washington/Kabul - Die US-Luftwaffe flog die bislang schwersten Angriffe auf Ziele im Nordosten Afghanistans. Nach Angaben des US-Senders CNN waren die Angriffe auf Taliban-Positionen entlang der Frontlinie zur Nordallianz zeitweise so heftig, dass es nicht mehr möglich war, die Explosionen zu zählen. Wie die in Pakistan ansässige islamische Nachrichtenagentur AIP berichtete, kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, mehrere seien verletzt worden.
Unter anderem seien der Flughafen von Herat, das 11. Bataillon und einige andere militärische Einrichtungen bombardiert worden. Über Kabul hätten US-Kampfhubschrauber mehrere Einsätze geflogen, wobei militärische Stützpunkte im südlichen Stadtteil und im Umfeld des Flughafens beschossen worden seien. Auch Kandahar, die Hochburg der Taliban-Miliz, sei unter schweren Beschuss geraten.
Nach Angaben von US-Generalstabschef Richard Myers verlief der Militärschlag bisher exakt nach Plan. Den Taliban seien erhebliche Schäden zugefügt worden. Die USA planen unterdessen, weitere Spezialeinheiten in Afghanistan einzusetzen. "Je mehr Mannschaften wir am Boden haben, desto effektiver werden die Lufteinsätze gegen die Stellungen der Taliban sein", sagte Myers. Die USA stellten sich auf einen Winterkrieg ein.
In den vergangenen Tagen seien weitere Elitesoldaten in Afghanistan zum Einsatz gekommen, sagte Myers. Bislang befanden sich nach US-Angaben bis zu hundert Elitesoldaten auf afghanischem Boden. Um wie viele Soldaten das Kontingent am Wochenende aufgestockt wurde, ist nicht bekannt. "Wir werden den Winter hindurch kämpfen", sagte Myers.
Rumsfeld: Taliban funktionsunfähig
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sieht bei der bisherigen Militäraktion "messbare Fortschritte". Er erklärte, die radikal-islamischen Taliban seien nicht mehr in der Lage, eine funktionsfähige Regierung zu bilden. "Die Taliban funktionieren als Regierung nicht mehr richtig", sagte er. Die al-Qaida-Organisation des muslimischen Extremisten Osama Bin Laden sei jedoch weiter eine Gefahr. Es sei wichtig, dass die Terroristen gestoppt würden.
Der US-Verteidigungsminister, der am Wochenende die Anti-Terror-Politik der USA mit Russland und den zentralasiatischen Republiken Tadschikistan und Usbekistan abgestimmt hatte, reiste nach seinem Stopp in Pakistan nach Indien weiter.
Taliban sprechen von Rückeroberungen
Eigenen Angaben zufolge eroberten die Taliban im Süden der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif Gebiete zurück, die die Nordallianz zuvor als eingenommen gemeldet hatte. Nach Angaben von Hilfsorganisationen wurden in der vergangenen Woche bis zu 300 Taliban-Kämpfer bei US-Angriffen verwundet. Das lasse auf bis zu 50 Tote schließen, sagten Experten.