Anonymous hackt E-Mails der tunesischen Regierung - DER SPIEGEL
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Anonymous-Attacke Hacker sollen Tausende E-Mails der tunesischen Regierung geknackt haben

Cyber-Protest gegen Tunesiens Regierung: Eine angeblich zum Hacker-Kollektiv Anonymous gehörende Gruppe behauptet, sich Zugang zu fast 3000 E-Mails der Regierungspartei Nahda verschafft zu haben - auch Dokumente des Ministerpräsidenten sollen darunter sein.
Facebook-Seite von "Anonymous TN": Tausende E-Mails gehackt
Facebook-Seite von "Anonymous TN": Tausende E-Mails gehackt

Facebook-Seite von "Anonymous TN": Tausende E-Mails gehackt

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Tunis - Anonymous-Attacke in Tunesien: In einem auf Facebook veröffentlichten Video verkündete ein Aktivist in Guy-Fawkes-Maske, seine Gruppe habe 2725 E-Mails der tunesischen Regierungspartei Nahda gehackt. Dabei handele es sich unter anderem um Korrespondenz des Ministerpräsidenten Hamadi Jebali.

Die Hacker, die laut eigener Aussage zum Kollektiv Anonymous gehören, wollen mit ihrem Angriff gegen die angebliche Unfähigkeit der Partei protestieren, bei kürzlichen Ausschreitungen Künstler und Arbeitslose vor Attacken salafistischer Islamisten zu schützen. Zu den erbeuteten Daten sollen Bankbelege, Rechnungen und Telefonnummern gehören, die im Zusammenhang mit der letzten Wahl stehen. Im vergangenen Oktober hatte sich die gemäßigt-islamistische Nahda mit mehr als 40 Prozent der Stimmen die Regierungsmehrheit in Tunesien gesichert.

Der maskierte Aktivist sagte per Videobotschaft: "An die tunesische Regierung: Wir haben einen großen Teil der Daten geheimgehalten. Wenn Sie nicht wünschen, dass die im Internet veröffentlicht werden, verlangen wir, dass Sie mit aller Kraft daran arbeiten, Internetzensur zu vermeiden und Menschenrechte sowie Redefreiheit zu respektieren."

Scharfe Kritik am Umgang mit Islamisten

Die tunesische Regierung teilte mit, dass ein Großteil der betroffenen E-Mails anscheinend alt sei. "Wir versuchen derzeit noch, herauszufinden, ob der gehackte Account aus der Zeit vor oder nach der Wahl Jebalis zum Premierminister stammt", sagte ein Sprecher des Ministerpräsidenten.

Die Partei Nahda war in den vergangenen Monaten scharf dafür kritisiert worden, nicht gegen islamistische Salafisten vorzugehen, die ihre strenge Interpretation des Korans in Tunesien durchsetzen wollen. Mehrfach hatten zuletzt Salafisten mit Massenveranstaltungen für eine Einführung des Scharia-Rechts in Tunesien demonstriert.

Die Anonymous-Gruppe hatte im März bereits eine unoffizielle Partei-Web-Seite sowie die Seite des Justizministeriums attackiert. Im Januar 2011 hatte das Hacker-Kollektiv während der Zeit der arabischen Revolution eine "Operation Tunesien" gestartet. Schon damals wurden unter anderem Regierungs-Web-Seiten des damaligen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali manipuliert.

sto/Reuters