Anschläge in Bagdad Briten und Franzosen unter den Toten
Bagdad - Ein Offizier der irakischen Zivilverteidigung gab bekannt, dass ein Autobombenanschlag auf einer belebten Straße in Bagdads Zentrum mindestens zwölf Menschen in den Tod gerissen hat. Mehrere Dutzend seien verletzt worden. Unter den Toten waren nach Angaben der Regierung fünf Ausländer, die im Energiesektor tätig waren. Drei weitere Ausländer seien schwer verletzt worden.
Bei den ausländischen Opfern in Bagdad handelt es sich nach Angaben des Innenministeriums um Franzosen. Das britische Außenministerium berichtete hingegen, auch zwei Briten seien am Montag bei einer Explosion in Bagdad getötet worden. Der Sprengsatz detonierte zur Hauptverkehrszeit in der Nähe des zentralen Tahrir-Platzes am Ostufer des Tigris. Augenzeugen zufolge fuhren drei Geländewagen, wie sie häufig von westlichen Bauunternehmen benutzt werden, zum Zeitpunkt der Explosion am Tatort vorbei.
Alle drei Autos wurden beschädigt, eines geriet in Brand. Ein zweistöckiges Haus wurde ebenfalls schwer beschädigt. Die genaue Zahl der Opfer konnte zunächst nicht ermittelt werden, weil Passanten Verletzte in ihre Autos hoben und zu verschiedenen Krankenhäusern im Stadtgebiet brachten.
Tanz um verkohlte Leiche
Am Schauplatz des Anschlages herrschte Chaos. Irakische Sicherheitsbeamte schossen in die Luft, um Bewohner zurückzudrängen, die auf die zerstörten Fahrzeuge mit Stöcken einschlugen. Wütende Iraker riefen "Nieder mit den USA" und zündeten eine amerikanische Flagge an. Eine Gruppe von etwa 20 jungen Männern tanzte um eine verbrannte Leiche.
Der designierte Ministerpräsident Ijad Alawi verurteilte den Anschlag als feigen Akt. "Diese Menschen halfen dem Irak dabei, seine Kraftwerke wieder aufzubauen", sagte er über die Opfer.
Bei einem zweiten Anschlag südöstlich der Hauptstadt wurden vier Menschen getötet. Die Detonation ereignete sich nahe der Ortschaft Salman Pak südöstlich von Bagdad. Nach Polizeiangaben fuhr ein grauer Opel zwischen einige Polizeifahrzeuge und explodierte. Vier Menschen wurden getötet, vier weitere erlitten Verletzungen.
Die US-Streitkräfte wollen auch nach der geplanten Machtübergabe am 30. Juni weiterhin zwischen 4000 und 5000 Menschen gefangen halten. Der amerikanische Oberstleutnant Barry Johnson erklärte, bis zu 1400 Häftlinge würden entweder freigelassen oder den irakischen Behörden überstellt. Außerdem wollten die US-Truppen weiterhin das Gefängnis Abu Ghureib betreiben, das im Zentrum des Skandals über die Misshandlung irakischer Gefangener stand. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hatte gestern erklärt, da mit der Machtübergabe die Besatzung faktisch ende, müssten alle irakischen Kriegsgefangenen und inhaftierten Zivilisten freigelassen werden.