Anschlag in Israel Unklarheit über die Hintermänner
Berlin - Der arabische Fernsehsender al-Jazeera hatte am Mittag unter Berufung auf palästinensische Sicherheitskreise berichtet, die Extremistenorganisation Hisbollah stecke hinter der tödlichen Attacke in Tel Aviv. Die Meldung wurde jedoch schon wenige Minuten später von einem Sprecher der Hisbollah dementiert. Bisher gibt es keine offiziellen Angaben über die Ergebnisse bei der Suche nach den Hintermännern.
Auch die beiden anderen militanten Organisationen lehnten die Verantwortung für den Anschlag ab. Sprecher des Islamischen Dschihads, der Hamas und der Al-Aksa-Brigaden erklärten, dass sie nichts mit dem Anschlag zu tun hätten.
Schon wenige Stunden nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv hatten israelische Truppen am Samstag fünf Personen festgenommen und den Täter identiziert. Es handelt sich um einen 21-jährigen Studenten aus dem Westjordanland, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete.
Bei dem Anschlag am späten Freitagabend wurden vier Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Unter den Festgenommen sind den palästinensischen Angaben zufolge zwei Brüder des Selbstmordattentäters und der Imam ihres Dorfs Deir al Ghusun, das nördlich der Stadt Tulkarem liegt. Die israelischen Streitkräften ordneten ein Ausgehverbot für die Bevölkerung des Orts an.
Es war der erste Selbstmordanschlag seit Ausrufung der Waffenruhe nach dem israelisch-palästinensischen Gipfeltreffen im ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich Anfang des Monats. Anfang November vergangenen Jahres hatte sich ein Attentäter auf einem Markt in Tel Aviv in die Luft gesprengt und drei Israelis mit in den Tod gerissen.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas kündigte nach einer Krisensitzung eine entschlossene Fahndung nach den Hintermännern an und erklärte: "Die palästinensische Regierung wird angesichts dieses Sabotageakts nicht ruhig bleiben."Die Verantwortlichen würden aufgespürt und ihrer Strafe zugeführt", versprach Abbas. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erekat sagte: "Wer auch immer dahinter steckt, ist entschlossen, alle Bemühungen zur Erneuerung des Friedensprozesses zu sabotieren", sagte Erekat. Diese Kräfte dürften keinen Erfolg haben.
Der Selbstmordattentäter zündete vor der Diskothek "Stage" nahe der Strandpromenade von Tel Aviv eine mit Metallsplittern versetzte Bombe - inmitten einer Gruppe von 20 bis 30 jungen Leuten, die auf Einlass warteten. Die Wucht der Detonation beschädigte die Vorderfront des Nachtklubs "Stage". Auch gingen die Fenster mehrerer Gebäude in der Nachbarschaft zu Bruch.
Als sich der Täter dem Eingang genähert habe, seien Wachleute auf ihn aufmerksam geworden und hätten ihm den Eintritt verwehrt, sagte der Polizeichef von Tel Aviv, David Tsur. So sei eine noch größere Tragödie verhindert worden.
Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Gideon Esra, rief die Palästinenser auf, mehr zu tun, um solche Anschläge zu stoppen. Zugleich kündigte er aber an, dass die Kontakte mit den Palästinensern fortgesetzt würden.
In Washington erklärte US-Außenministerin Condoleezza Rice, jetzt sei es wichtig, dass die palästinensische Führung sofortige glaubwürdige Schritte zur Fahndung nach den Tätern einleite. "Wir müssen jetzt Aktionen sehen, die die klare Botschaft enthalten, dass Terror nicht geduldet wird", sagte Rice.