Anschlag in Spanien Ex-Minister angeschossen
San Sebastián - Der 70-jährige Sozialist José Ramón Rekalde überstand das Attentat schwer verletzt und ist nach Angaben der Ärzte nicht in Lebensgefahr.
Augenzeugen berichteten, eine junge Frau habe Rekalde aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen, als dieser vor seinem Haus in der baskischen Küstenstadt San Sebastián aus seinem Wagen stieg. Die mutmaßliche Täterin entkam in einem Fluchtauto, das in der Nähe des Tatorts auf sie wartete, wie die Polizei am frühen Freitagmorgen mitteilte. Eine Großfahndung blieb bislang ohne Erfolg.
Rekalde schleppte sich blutüberströmt in seine Wohnung. Der Ex-Minister soll am Freitagmorgen operiert werden. Die Kugel stecke noch in seinem Unterkiefer, hieß es.
Von 1987 bis 1991 war Rekalde baskischer Erziehungsminister. Anschließend wechselte er ins Justizressort. 1994 zog sich der Jurist aus der Politik zurück und arbeitete seitdem als Hochschullehrer. Leibwächter hatte er nicht.
Das Attentat wurde als Vergeltungsschlag der Eta gewertet, nachdem der Polizei am Tag zuvor ein großer Schlag gegen die Organisation gelungen war. Bei Razzien im Baskenland hatten die Beamten 20 mutmaßliche Eta-Mitglieder festgenommen und damit den politischen Apparat der Untergrundorganisation zerschlagen. Spaniens Innenminister Jaime Mayor Oreja hatte Stunden vor dem neuen Anschlag im Fernsehen vor einer solchen Racheaktion der Eta gewarnt.
Bei Anschlägen der Eta sind in diesem Jahr bereits zwölf Menschen getötet und 30 verletzt worden.
San Sebastián liegt ganz in der Nähe von Hernani, wo Bundeskanzler Gerhard Schröder, Spaniens Ministerpräsident José Maria Aznar und König Juan Carlos am Samstag zur Einweihung des Museums des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida erwartet werden. Der Festakt stößt auf heftigen Widerstand der Separatisten, die den spanischen Regierungschef und den Monarchen als Vertreter einer "ausländischen Besatzungsmacht" ablehnen.