Erstes Treffen von Hollande und Obama Gemeinsam gegen die Euro-Krise
François Hollande mit Barack Obama: Antrittsbesuch im Weißen Haus
Foto: Pablo Martinez Monsivais / APWashington - US-Präsident Barack Obama hat am Freitag im Weißen Haus den neuen französischen Präsidenten François Hollande empfangen. An Gesprächsthemen mangelte es den beiden Staatschefs nicht, zentral waren die europäische Schuldenkrise sowie der Afghanistan-Einsatz. Hollande bekräftigte während des Treffens sein Wahlversprechen, die französischen Kampftruppen bis Ende 2012 aus dem Hindukusch abzuziehen.
Frankreich werde Afghanistan nach dem Abzug "auf andere Weise" unterstützen, sagte Hollande nach dem Gespräch in Washington. Wie genau, das solle am Wochenende auf dem Nato-Gipfel in Chicago erörtert werden. Hollande hatte im Wahlkampf versprochen, die 3300 französischen Soldaten in Afghanistan eineinhalb Jahre früher zurückzuholen, als ursprünglich vereinbart.
Hollandes Äußerungen wurden in Washington als möglicher Kompromiss aufgefasst, dass Frankreich zwar den Kampfeinsatz in Afghanistan beendet, aber in dem Land danach in einer anderen Rolle präsent bleibt.
Das Treffen der beiden Staatschefs fand nur wenige Stunden vor Beginn des G8-Gipfels in Camp Davis (Maryland) statt. Obama forderte in einer anschließenden gemeinsamen Pressekonferenz die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) dazu auf, dem Wirtschaftswachstum in Europa die gleiche Aufmerksamkeit wie der Haushaltskonsolidierung einzuräumen. Er stimme mit seinem neuen französischen Kollegen Hollande darin überein, dass diese Frage nicht nur für die Europäer, sondern für die gesamte Weltwirtschaft von außerordentlicher Bedeutung sei, sagte der US-Präsident.
"Wachstum muss eine Priorität sein", sagte auch Hollande, der am Dienstag das Präsidentenamt von Nicolas Sarkozy übernommen hatte. Der Sozialist ist gegen den von seinem Vorgänger und der deutschen Bundesregierung verfochtenen strikten Sparkurs in Europa und fordert eine staatliche Förderung des Wirtschaftswachstums. Auch Obamas Regierung hatte in den vergangenen Monaten immer wieder an Europa appelliert, die Konjunktur nicht mit zu harten Sparpaketen abzuwürgen.
Die fehlgeschlagene Regierungsbildung in Griechenland hatte die Krise in der Euro-Zone zuletzt weiter angefacht. Hollande sagte, er teile mit Obama auch die Auffassung, dass Athen im gemeinsamen europäischen Währungsraum bleiben müsse. Der US-Präsident sagte, beim G8-Gipfel werde es eine Diskussion geben über "ein verantwortliches Vorgehen bei der Haushaltskonsolidierung, die an eine starke Wachstumsagenda gekoppelt ist".
Der Gipfel beginnt am Freitagabend mit einem Arbeitsessen in Camp David. Bei dem zweitägigen Treffen auf dem Landsitz von Obama, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnimmt, soll es unter anderem um die Schuldenkrise in der Euro-Zone, die Gewalt in Syrien und die Zukunft Afghanistans gehen. Im Anschluss findet am Sonntag und Montag der Nato-Gipfel statt.