Arabische Presseschau "Der Dschihad ist eine Säule des Islam"
Syrien positioniert sich immer klarer zu den amerikanischen Anschuldigungen einer militärischen Unterstützung des Irak. Die syrische Zeitung "Teshreen", die sich in den letzten Tagen mit einer Kommentierung noch merklich zurückgehalten hatte, veröffentlicht heute eine Stellungnahme des syrischen Außenministeriums: "Powell sagte, dass Syrien wählen muss und die Verantwortung für seine Entscheidung trägt. Und Herr Powell weiß - wie die ganze Welt weiß - dass Syrien sich für das Völkerrecht entschieden hat, das durch die Uno und den Sicherheitsrat vertreten wird. Syrien hat sich dem gemeinsamen Standpunkt der Staaten und Völker angeschlossen, der besagt "Nein zum Krieg gegen den Irak" und "Keine Bomben auf Städte und kein Töten von unschuldigen Zivilisten". Syrien hat sich dafür entschieden, auf der Seite des irakischen Brudervolks zu stehen, das einem illegalen und nicht gerechtfertigten Angriff gegenübersteht. Am standhaften irakischen Volk werden alle Arten von Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen."
Der ägyptische Präsident Husni Mubarak versucht sich in dieser Situation nach allen Seiten abzusichern. "Ägypten garantiert Bewegungsfreiheit für jedes Schiff auf dem Suez-Kanal und würde ihn für kein Land schließen, es sei denn, es befinde sich im Krieg mit ihm", zitiert die ägyptische Zeitung "al-Ahram". Aber auch die "Beziehungen zwischen Syrien und Ägypten sind alt und strategisch wichtig. Und kleinere Streitigkeiten unter Brüdern können diese nicht erschüttern."
Saudi-Arabien jedoch scheint möglichen amerikanischen Anschuldigungen vorbeugen zu wollen. Die Tageszeitung "Riyadh" interviewt den saudischen Innenminister Naif und fragt, "ob es stimmt, dass Sicherheitskräfte des Innenministeriums einige Personen ergriffen haben, die in Saudi-Arabien für den Dschihad in Irak oder gar für terroristische Angriffe im Königreich selbst ausgebildet worden sind?" Es wurden zwar Leute aufgegriffen, so Naif, aber deren Zusammenkünfte könne man nicht als Trainingslager bezeichnen. Naif rechtfertigt die Stationierung von Militär und die erhöhte Alarmbereitschaft als "ganz natürliche Maßnahmen". Befragt nach Aufrufen zum Dschihad durch mehrere geistliche Führer auch in Saudi-Arabien selbst, äußert sich Naif zurückhaltend: "Der Dschihad ist eine Säule des Islam, aber es gibt Bedingungen dafür. Und nach unserem Verständnis kann der Dschihad nur durch den Befehlshaber ausgerufen werden." Der Befehlshaber ist nach dem Verständnis des saudischen Königshauses nur der König selbst.
Auf den Befehl eines Staatschefs wollen aber die Wenigsten warten. Die in London erscheinende Zeitung "al-Hayat" meldet, dass "libanesische und arabische Jugendliche zum Dschihad nach Bagdad fahren". 36 Freiwillige aus vier arabischen Ländern verließen Beirut in Richtung Irak über Damaskus um "den Märtyrertod auf dem Wege Gottes und für den Irak" zu finden.
Ein Krieg der Medien wird nicht nur in der westlichen Welt ausgemacht. Die Rolle der Satellitensender wird auch in den arabischen Zeitungen ausgewertet. "Al-Hayat" berichtet, dass Kuweit gegenüber dem Fernsehsender "al-Arabiya" wegen "parteiischer Berichterstattung über Kuweit entsprechende Maßnahmen ergreifen wird". Die kuweitische Regierung wollte sich nach eigenen Angaben ursprünglich an dem neuen Satellitenkanal beteiligen, hat aber nun sämtliche Investitionspläne zurückgezogen.
Die Zeitung berichtet außerdem von Anschuldigungen der irakischen Kurden gegenüber arabischen Korrespondenten in Nordirak. Gestern kam in Erbil eine Erklärung von kurdischen Lokaljournalisten und Universitätsprofessoren in Umlauf, die "die Rolle der arabischen Medien, besonders der Satellitenkanäle bei der Berichterstattung über den dritten Golfkrieg" anprangern. "Wir haben festgestellt, dass die arabische Medienberichterstattung Partei für das herrschende System in Irak ergreift und absichtlich einige Tatsachen zu verschleiern sucht. Eine Ausnahme stellen die kuweitischen Medien dar, die als einzige eine Bresche geschlagen haben, um die Leiden unseres Volkes in Irak darzustellen."
Auch Prinz Naif wird in "Riyadh" zum Thema Medien befragt: "al-Dschasira", so der interviewende Redakteur, "hat Meinungen von saudischen Bürgern veröffentlicht, die darauf abzielen, Feindschaft zwischen dem Königreich und seinen Nachbarstaaten zu säen. Warum spricht man nicht mit dem Staat, von dem aus der Sender diese Lügenmärchen veröffentlicht?" Prinz Naif wiegelt jedoch ab: "Jeder Staat hat die Freiheit, das zu tun, was er für richtig hält."