Arabische Presseschau: "Eine enorme Dummheit" - DER SPIEGEL
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Arabische Presseschau "Eine enorme Dummheit"

Die arabische Presse ist entsetzt über die "Hinrichtung Scheich Jassins" auf Befehl Scharons. Ariel Scharon habe sich von der US-Regierung grünes Licht geben lassen, schreibt die in London erscheinende Zeitung "Al-Quds al-Arabi".
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"Al-Quds al-Arabi", London:

"Die Frage, die sich dringend stellt, ist, warum Scharon dieses leichte Ziel und diesen Zeitpunkt ausgewählt hat. Es steht fest, dass Scharon dieses Attentat nicht gewagt hat, ohne sich mit der amerikanischen Regierung zu beraten. Auch ist es unmöglich, dass er nicht mit den wütenden palästinensischen, arabischen und internationalen Reaktionen auf das Attentat gerechnet hat. Ein Mord dieses Kalibers, der auf eines der prominentesten Symbole des palästinensischen Widerstands und Dschihads zielt, wird so lange Aufmerksamkeit haben, bis Märtyrer-Aktionen im Herzen von Tel Aviv und dem besetzten Jerusalem es ihm gleich getan oder ihn sogar übertroffen haben.

Ist Scharons Plan, solche Reaktionen zu provozieren, um dann im großen Maßstab die Rechte und Dschihad-Organisationen des palästinensischen Volkes zu verstümmeln? Nutzt er dabei das grüne Licht der Amerikaner sowie die Ablenkung des Weißen Hauses durch die Präsidentschaftswahlen?"

"Al-Hayat", London: "In jeder Hinsicht - menschlich, moralisch, politisch, strategisch oder sicherheitstechnisch - stellt das Scharonsche Verbrechen der Hinrichtung Scheich Jassins eine enorme Dummheit dar.

Die westlichen und arabischen Delegationen, die in den Gaza-Streifen reisten, kannten stets die dort wichtigste Adresse: Scheich Jassin. Und selbst Israel kannte diese Adresse, wenn es hoffte, Sicherheit für seine Bürger zu verwirklichen auf dem Weg zu einem vorläufigen oder vollständigen Stopp der militärischen Operationen.

Es ist zwar wahr, dass er (Scheich Jassin) die Nummer Eins der Hamas-Bewegung war, aber er war niemals der Organisator der täglichen militärischen Operationen."

"Al-Watan", Kuweit: "Das Attentat auf den Gründer und Führer der Hamas-Bewegung Scheich Ahmed Jassin trägt das Zeichen einer großen Dummheit. Sie kommt der Dummheit nah, den Süden des Libanon 22 Jahre lang zu besetzen und in dieser Zeit mehr als 1200 Soldaten zu verlieren ohne jeden echten Gewinn.

Die Israelis betrachten den Tod als die beste Strafe für die Palästinenser. Aber sie wissen nicht, dass der Tod für den palästinensischen Bürger - der von drei Dollar im Monat lebt, ohne Haus, ohne Ausbildung, ohne Gesundheitsversorgung, und vor allem ohne jeglichen Hoffnungsschimmer auf eine zukünftige Lösung - dass also der Tod für ihn schlicht und einfach die beste Lösung ist. Es macht ihm nichts aus, auf die Reise ins Jenseits ein paar Israelis mitzunehmen, die ihm aufgrund seines Bombengürtels folgen. Die Israelis dagegen lieben das Leben, sie fahren zum Glücksspiel nach Zypern, sie wohnen so komfortabel in den Siedlungen als seien sie in New York."

"Aujourd'hui le Maroc", Casablanca, Marokko: "Indem er (Ariel Scharon) so handelt, gießt er nur Wasser auf die Mühlen von Radikalen auf beiden Seiten. Diese werden eine Heilige Allianz aufgeben und statt dessen mit Freude ihre jeweiligen Positionen verhärten. Und morgen wird niemand überrascht sein, noch mehr Feuer und Blut in der Region zu sehen."

"Arab News", Dschidda, Saudi-Arabien: "Auch andere Gruppen, wie die al-Aqsa-Märtyrer-Brigade und der Islamische Dschihad, werden zurückschlagen - weil sie Rache wollen und weil auch sie Glaubwürdigkeit erlangen wollen. Und sie wollen beweisen, dass sie die mächtige, durchsetzungsstarke und einzige Opposition zu den Israelis darstellen. Sie werden loseilen, um sich selbst in blutige Märtyrerfahnen zu wickeln - und junge Männer und Frauen werden jetzt bereiter sein als je zuvor, ihr Leben als Selbstmordbomber zu beenden.

"Al-Sharq al-Awsat", London: "Glaubt Israel denn, dass es durch Mord, Einschüchterung und Tötung seiner Symbole das palästinensische Volk bezwingen sowie seine Existenz und sein Anliegen tilgen kann? Wenn es das ist, was in Scharons Kopf herumschwirrt, dann könnte er nicht weiter von der Wahrheit entfernt liegen."

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