Argentinien: Der Todesengel wird ausgeliefert - DER SPIEGEL
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Argentinien Der Todesengel wird ausgeliefert

Die Schonzeit für einige Mitglieder der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 ist vorbei. Die Regierung hat jetzt die Auslieferung ehemaliger Junta-Offiziere erlaubt. Der als "Todesengel" berüchtigte frühere Kapitän Alfredo Astiz und mehrere andere Männer sind jetzt verhaftet worden.
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Buenos Aires - Insgesamt seien bislang zehn Männer in Haft genommen worden, denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden, berichtete die Internetausgabe der Zeitung "Clarin" unter Berufung auf die Behörden. Andere Medien sprachen ohne genaue Quellenangaben sogar von bis zu 17 Verhafteten.

Erst am Vortag hatte ein Richter Haftbefehl gegen 46 Mitglieder oder Helfer der Junta erlassen. Richter Rodolfo Canicoba Corral folgte einem Auslieferungsersuchen des spanischen Ermittlungsrichters Baltasar Garzón, der sie in Madrid vor Gericht stellen will. Verteidigungsminister José Pampuro ordnete an, dass die Chefs aller Waffengattungen dem Beschluss von Richter Canicoba Corral unverzüglich nachzukommen hätten.

Unter den Inhaftierten befinden sich die früheren Juntamitglieder Armando Lambruschini und Jorge Isaac Anaya, die beide bereits über 70 Jahre alt sind, sowie der gefürchtete Ex-General Antonio Bussi. Haftbefehle wurden unter anderem auch gegen die früheren Militärmachthaber Jorge Videla und Emilio Massera ausgestellt.

Der rangniedrigste Beschuldigte reagierte laut Medien mit einem Selbstmordversuch. Der Unteroffizier der Küstenwache Juan Azic habe sich am Freitag in den Hals geschossen und schwer verletzt überlebt, berichteten Medien.

Möglich wurden die Festnahmen, nachdem die argentinische Regierung gestern ein Dekret aufgehoben hatte, dass die Auslieferung ehemaliger Mitglieder der Militärdiktatur verboten hatte, denen Folter und Mord vorgeworfen wird. Der seit Mai amtierende Präsident Nestor Kirchner unterzeichnete eine entsprechende Anordnung nach einem Staatsbesuch in den USA. Über eine Auslieferung müssen Gerichte im Einzelfall entscheiden.

Kirchner, der während der Militärdiktatur selbst kurz inhaftiert war, hat versprochen, der "Kultur der Straflosigkeit" ein Ende zu bereiten, die nach seinen Worten 20 Jahre Demokratie in seinem Land besudelt haben.

Während der Militärdiktatur hatten die Militärs in den Jahren 1976 bis 1983 linke politische Gegner verfolgt. Die Kampagne, in der bis zu 30.000 Linke starben, ging als "Schmutziger Krieg" in die Geschichte des südamerikanischen Landes ein. Tausende verschwanden spurlos.