Argentinien: Nestor Kirchner wird Präsident - DER SPIEGEL
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Argentinien Nestor Kirchner wird Präsident

Nach katastrophalen Umfrageergebnissen hat Carlos Menem aufgegeben und seine Präsidentschaftskandidatur zurückgezogen. Damit wird der Peronist Nestor Kirchner ohne Stichwahl neues argentinisches Staatsoberhaupt.
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Buenos Aires - Nach dem Wahlgesetz des Landes entfällt die Stichwahl, wenn einer der beiden Kandidaten nicht mehr antritt. Die Wahlkommission hat den Rückzug Menems angenommen. Kirchner wird somit der sechste Präsident Argentiniens in den vergangenen 18 Monaten und soll am 25. Mai sein neues Amt antreten. In Umfragen hatte er zuletzt mit einem Vorsprung von 40 Prozentpunkten vor Menem geführt. Seine vorrangige Aufgabe wird der Kampf gegen die schwere Wirtschaftskrise in der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas sein.

In einem ersten Fernseh-Interview nach dem Verzicht des 72-jährigen Menems kündigte Kirchner an, die Armut im Land entschlossen zu bekämpfen. Zudem wolle er Politik transparenter machen und einen starken Führungsstil anstreben. "Ich werde für Argentinien kämpfen", sagte Kirchner. "Wir werden hart gegen die Armut kämpfen." Politisch wolle er dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton und dem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez nacheifern, sagte Kirchner. Lobende Worte fand er auch für den linken brasilianischen Präsidenten Luis Inacio Lula da Silva.

Kirchner gehört dem linken Flügel der Partei an. Er kritisierte zuletzt Privatisierungen und den Internationalen Währungsfonds (IWF). Im ersten Wahlgang hatten Kirchner nur ein Viertel der Wähler unterstützt. Bei der Wahl Ende April erhielt Kirchner 22 Prozent der Stimmen und damit zwei Prozent weniger als Menem. Nun hatte er bei der Stichwahl auf einen deutlichen Wahlsieg gehofft, um ein starkes Mandat der Bevölkerung zu erhalten.

Kirchner und Menem gehören den Peronisten an, die die Politik in Argentinien seit dem Zweiten Weltkrieg dominieren. Kirchner gilt bei vielen Argentiniern als das geringste Übel aus dem Kreis der Politiker, von denen viele im Laufe der Wirtschaftskrise in Verruf geraten sind. Vor allem Menem ist bei der Bevölkerung unter anderem wegen einer Reihe von Korruptionsskandalen während seiner Zeit als Präsident von 1989 bis 1999 nicht gut gelitten. Auch sein flotter Lebensstil ist in Argentinien umstritten.