Atomkonflikt Iran droht mit Start der Uran-Anreicherung
Teheran - Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid-Resa Assefi, sagte heute in Teheran, Bushs Drohungen seien ein "psychologischer Krieg". "Herr Bush sollte wissen, dass unsere Kapazitäten größer sind als die der USA", sagte Assefi und warnte die USA scharf vor einem militärischen Vorgehen.
Bush hatte zuvor im israelischen Fernsehen gesagt, die Anwendung von Gewalt sei "die letzte Möglichkeit für jeden Präsidenten". Die USA hätten schon Militär eingesetzt, um sich zu schützen, sagte der US-Präsident mit Blick auf den Irak-Krieg. Er sei bereit, als "letzten Ausweg" Gewalt anzuwenden, um sein Land zu sichern und "Völkern die Gelegenheit zu geben, in freien Gesellschaften zu leben".
Erst konvertieren, dann anreichern
Iran drohte, nach der Konversion auch die Anreicherung von Uran wieder aufzunehmen. Teheran sei bisher noch nicht zu einem Konsens über die Frage der Anreicherung gelangt, sagte Assefi. "Aber die Haltung und die Aktionen der Europäischen Union in den kommenden Tagen werden entscheidend sein." Die Wiederaufnahme der Uran-Konversion sei "nicht verhandelbar".
Bei der Konversion wird Uran gasförmig gemacht. Erst dann kann es in einem weiteren Schritt angereichert werden. Je nach Grad der Anreicherung kann das radioaktive Element für Kernenergie oder Atomwaffen verwendet werden. Iran hatte die Konversion von Uran vor wenigen Tagen wieder aufgenommen. Mit dem einseitigen Schritt hatte das Land den mit der EU ausgehandelten Stopp der Urananreicherung beendet. EU und USA hatten Iran mit der Einschaltung des Uno-Sicherheitsrats gedroht, der Sanktionen gegen das Land verhängen könnte.
Kabinett der jungen Konservativen vorgestellt
Der neue iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad stellte sein Kabinett vor, dessen Zusammensetzung aus durchweg konservativen Ministern als weiteres Zeichen für eine harte Haltung des Landes im Atomstreit gesehen wird. Ahmadinedschad schlug den konservativen Abgeordneten Manuschehr Mottaki als Außenminister vor, wie der staatliche Rundfunk berichtete. Der Bürgermeister der Hauptstadt Teheran, Ali Saidlu, soll Ölminister werden. Beide gelten als gemäßigte Konservative. Die meisten innenpolitisch orientierten Posten gingen dagegen an ultrakonservative Vertreter. Die Ernennung des Hardliners Ali Laridschani zum Atombeauftragten war bereits bekannt geworden. Sie muss noch offiziell verkündet werden. Die Mannschaft des neuen Präsidenten gilt mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren als vergleichsweise jung. Nun muss das Parlament binnen einer Woche entscheiden, ob es der Regierung sein Vertrauen ausspricht. Die Zustimmung gilt als sicher. Ahmadinedschad war Ende Juni in einer Stichwahl gegen den früheren Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani zum neuen Staatschef gewählt worden. Er löste den als gemäßigt geltenden Präsidenten Mohammed Chatami ab.