Atomkraft Sabotage in Sellafield
London - Die Betreibergesellschaft British Nuclear Fuels (BNFL) bestätigte den Sabotageakt am Sonntag. Er habe die Sicherheit nicht gefährdet. Inmitten wachsender Befürchtungen über eine drohende Schließung Sellafields wegen zunehmender Sicherheitsbedenken wichtiger Kunden riefen alle im Werk vertretenen Gewerkschaften die 10.000 Beschäftigten auf, den Schuldigen zu melden, falls er ihnen bekannt sei.
Nach Angaben der BNFL wurden ferngesteuerte Werkzeuge dadurch lahm gelegt, dass sechs Kabel zu entsprechenden Hauptschaltern durchtrennt wurden. Die Werkzeuge werden in einem Bereich eingesetzt, der für den Einsatz von Menschen zu gefährlich ist. "Es handelt sich um einen Angriff auf ein Wartungswerkzeug, das nicht von Bedeutung für die Sicherheit der Anlage ist", hieß es.
Im Februar war BNFL wegen manipulierter Sicherheitsberichte für Mischoxid-Brennmaterial (MOX) von der britischen Atomaufsicht scharf gerügt worden. Arbeiter in Sellafield hatten die so genannten MOX-Tabletten nicht wie vorgeschrieben mehrfach einzeln vermessen, bevor sie an Auftraggeber in Deutschland und Japan geliefert wurden.
Die Sicherheitsmängel haben zur Stornierung von Aufträgen aus Deutschland, Japan und der Schweiz geführt. Vor allem das Verlangen der wichtigen japanischen Kunden, die mit falschen Papieren gelieferten MOX-Elemente zunächst aus Japan fortzubringen, bevor neue Aufträge erteilt werden könnten, stelle BNFL vor ein großes Problem, berichtete die Zeitung "The Independent". Für den Transport der gefährlichen Fracht sei eine Eskorte von Kriegsschiffen nötig, außerdem seien zahlreiche Proteste von Kernkraft-Gegnern zu erwarten. Ohne die Aufträge aus Japan könne Sellafield jedoch nicht überleben.
Auch der für Juni angekündigte Vorstoß von Dänemark, Irland und Island, Sellafield unter Berufung auf das internationale Abkommen zur Begrenzung radioaktiver Emissionen (Ospar) stilllegen zu lassen, wird nach Angaben der Zeitung "The Guardian" vom Samstag dafür sorgen, dass Sellafield nicht aus den Schlagzeilen herauskommt. Juristen hätten allerdings große Zweifel daran, dass Ospar tatsächlich die Stilllegung ermögliche.
Bereits im vergangenen September war es zu Sabotage in Sellafield gekommen: Zwei MOX-Elemente enthielten eine kleine Schraube und Schmutzteile, die nach Ansicht der Werksleitung nicht unabsichtlich in die Nähe der Brennelemente gelangen konnten.