Atompolitik Russland und Iran verschieben Unterzeichnung von Abkommen
Teheran - Der Vizechef der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammed Saidi, begründete die Aufschiebung der Unterzeichnung mit Differenzen über den Zeitplan: Man sei sich uneins, wann Russland die Brennstofflieferungen für den ersten iranischen Atomreaktor beginnen und wann das Kraftwerk in Betrieb gehen sollte. Möglicherweise werde der von den USA kritisierte Vertrag jedoch am morgigen Sonntag abgeschlossen.
Bei dem Vertrag geht es nach iranischen Angaben um die Lieferung von 90 Tonnen Kernbrennstoff für das AKW Buschehr am Persischen Golf, an dessen Fertigstellung russische Ingenieure arbeiten. Nach mehr als zehnjähriger Bauzeit soll der schätzungsweise knapp 650 Millionen Euro teure Leichtwasserreaktor Ende dieses Jahres in Betrieb genommen werden.
Iran möchte, dass die Lieferungen drei Monate nach Vertragsunterzeichnung - also Ende Mai - beginnen. Aus Kreisen der russischen Delegation verlautete, dass Iran auch nicht mit dem hohen Preis für die Rücknahme und Lagerung abgebrannter Brennstäbe einverstanden sei.
Eigentlich hatte das Abkommen bereits am Samstagmorgen unterzeichnet werden sollen, eine Pressekonferenz zur Bekanntgabe des Vertragsabschlusses war bereits angesetzt. Noch bei seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush am Donnerstag hatte der russische Präsident Wladimir Putin gesagt, er werde an dem Abkommen festhalten. Befürchtungen Washingtons, Iran könnte den Brennstoff für die Herstellung von Atomwaffen missbrauchen, teile er nicht.
Moskau will die verbrauchten Brennstäbe komplett zurücknehmen, um eine militärische Nutzung durch Teheran auszuschließen. Iran hat außerdem der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zugesagt, dass sie Inspektoren zur Überwachung des Atomkraftwerks in Buschehr entsenden darf. In Diplomatenkreisen am Sitz der IAEA in Wien wurde dennoch die Vermutung laut, der amerikanische Druck auf Moskau habe Wirkung gezeigt.