Atomprogramm Pakistans geheimer Deal mit Nordkorea
Hamburg - Die amerikanischen Militärs sahen alles: Wie das pakistanische Frachtflugzeug auf einem nordkoreanischen Flughafen landete, welche Ladung es an Bord nahm - und sie sahen, dass es sich bei dem Transportflugzeug um eine amerikanische C-130 handelte. Es war nach Angaben der "New York Times" eine der Maschinen, die US-Präsident George W. Bush den Pakistanern zur Verfügung stellte, damit Präsident Pervez Musharraf den Krieg gegen die Taliban und al-Qaida in Afghanistan unterstützte.
Der Vorfall vom vergangenen Juli ist offenbar nur einer von vielen. Die Kontakte zwischen Pakistan und Nordkorea scheinen vielfältig zu sein. In nahezu idealer Symbiose unterstützen sich beide Länder in ihrem Bemühen, Atomwaffen herzustellen.
Nach Erkenntnissen der Geheimdienste beliefert Nordkorea Musharraf mit Raketenteilen, die er als Transportmittel für atomare Sprengköpfe braucht. Die Raketen sollen tauglich sein, strategisch wichtige Orte auf dem Gebiet des Erzfeindes Indien zu erreichen. Pakistan seinerseits versorgt Nordkorea mit Geräten, die das Regime dort benötigt, um hochangereichertes Uran zu verarbeiten.
Nach Einschätzung der CIA ist Nordkorea, das US-Präsident George W. Bush vor einigen Monaten zur "Achse des Bösen" zählte, etwa zwei bis drei Jahre von der Fertigstellung einer schlagkräftigen Atomwaffe entfernt.
Der amerikanische Kongress ist über den gefährlichen Tauschhandel zwischen Pakistan und Nordkorea informiert. Möglicherweise wird es auf Grund innenpolitischen Drucks zu einer Änderung der amerikanischen Pakistan-Politik kommen.
Zwar sind die Amerikaner weiterhin auf die Zusammenarbeit mit der Regierung in Islamabad angewiesen, um weitere Erfolge bei der Jagd nach al-Qaida-Terroristen zu verzeichnen - doch Terror-Chef Osama Bin Laden wurden sie durch die fragwürdige Kooperation bisher nicht habhaft, obwohl sich Bin Laden wahrscheinlich in Pakistan oder im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhält.