Atomspionage Vanunu-Interviewer ist wieder frei
Jerusalem/London - Nach britischen und israelischen Medienberichten soll der 60 Jahre alte Reporter versucht haben, die Militärzensur zu umgehen. Auf den Videobändern befanden sich demnach mehrere Stunden Gesprächsmaterial. Nach Befragungen wurde er heute Abend wieder auf freien Fuß gesetzt werden, berichteten ein Korrespondent des israelischen Fernsehsenders Kanal Zwei und die Tageszeitung "Haaretz" auf ihrer Internetseite.
Hounam hatte 1986 in der Zeitung "Sunday Times" Details über das geheime Atomwaffenprogramm Israels veröffentlicht, die Vanunu bei seiner Arbeit im Reaktorzentrum Dimona gesammelt hatte. Seine Festnahme hatte nach Medienberichten in israelischen Führungskreisen "große Verlegenheit" ausgelöst.
Vanunu war im April nach 18 Jahren Gefängnis unter strengen Auflagen des Geheimdienstes freigelassen worden. Er darf unter anderem nicht mit ausländischen Staatsbürgern sprechen und keine Interviews geben. Israel ist überzeugt, dass Vanunu auch nach seiner jahrelangen Haft noch über Informationen verfügt, die die Staatssicherheit gefährden.
Hounam, der auch für den britischen Fernsehsender BBC tätig ist, hält sich seit Vanunus Freilassung in Israel auf. Die oppositionelle Abgeordnete Juli Tamir (Arbeitspartei) nannte die Festnahme des Journalisten "einen weiteren Schritt zur Beschränkung der Redefreiheit in Israel". Das Land versuche, "Journalisten mundtot zu machen, die die Wahrheit aufdecken wollen". Sie sprach von einer "ernsthaften Gefahr für die Demokratie".
Hounam arbeitete für den britischen Sender BBC an einer Dokumentation über Vanunu. Eine Sprecherin des Senders sagte: "Uns ist bekannt, dass Peter Hounam festgenommen wurde, und wir sind über diese Entwicklung sehr besorgt." Das britische Außenministerium teilte mit, die Botschaft habe sich eingeschaltet. Vanunu selbst sprach von einer weiteren Etappe in dem Krieg des israelischen Geheimdienstes gegen ihn und seine Anhänger.
Vanunu hatte vor 18 Jahren in einem Exklusivinterview der "Sunday Times" Fotos und Einzelheiten über das israelische Nuklearzentrum Dimona preisgegeben. Experten zogen daraus die Schlussfolgerung, dass Israel mit bis zu 400 atomaren Sprengköpfen über eines der größten atomaren Waffenarsenale weltweit verfügte. Vanunu wurde nach seinem Interview vom israelischen Geheimdienst von London nach Rom gelockt. Dort verschleppten ihn Agenten nach Israel. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde er wegen Verrates zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er mindestens elf in Einzelhaft verbrachte.