Atomstreit Annans unermüdliche Mission
Teheran/Paris/Berlin - Eine rasche Lösung ist nach wie vor nicht in Sicht. Kofi Annan kam mit der wenig überraschenden Erkenntnis aus dem Gespräch mit Ahmadinedschad, dass die iranische Führung weiterhin Uran anreichern will. Er sagte nach dem Treffen, Ahmadinedschad habe sich zwar für weitere Verhandlungen ausgesprochen, einen Stopp der umstrittenen Urananreicherung als Vorbedingung für Gespräche jedoch erneut abgelehnt.
"Unsere Position in der Sache ist transparent, klar und logisch", sagte Ahmadinedschad. "Und obwohl wir das Vertrauen in die Europäer während unserer Gespräche in den vergangenen drei Jahren verloren haben, sind wir immer noch bereit, uns auf gleicher Augenhöhe auseinander zu setzen", sagte Ahmadinedschad. Annan nannte seine Gespräche in Teheran "gut und positiv" und forderte neue Anstrengungen, um den Streit in Verhandlungen beizulegen.
Insoweit keine neuen Ergebnisse. Schon gestern hatten Außenminister Manuchehr Mottaki, Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani und Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani in den Unterredungen deutlich gemacht, dass es kein Abrücken von er Urananreicherung geben könne, verlautete aus Kreisen der Uno in Teheran.
Laridschani sprach von einer konstruktiven Unterredung. Annans Haltung zur Lösung des Konflikts sei positiv zu bewerten. "Beide Seiten stimmten darin überein, dass die Probleme durch Verhandlungen überwunden werden sollten." Nach Angaben des iranischen Außenministeriums betonte Mottaki, dass Iran nur zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit sei. "Vertrauen aufzubauen ist keine Einbahnstraße", sagte Mottaki weiter.
Zum Abschluss seines Aufenthlats in Teheran will Annan heute noch den obersten iranischen Führer Ajatollah Ali Chamenei treffen. Kurz vor seiner Abreise nach Teheran hatte Annan in einem Interview erklärt, er halte Sanktionen in diesem Fall für wenig wirksam.
Teheran hatte die vom Weltsicherheitsrat gesetzte Frist, bis zum 31. August seine Urananreicherung einzustellen, verstreichen lassen. Ahmadinedschad hatte sich unbeugsam gezeigt. In New York begannen Beratungen über Sanktionen. Der Westen verdächtigt Teheran, die Atombombe bauen zu wollen.
Der Terminplan sieht vor, dass der EU-Außenbeauftragte Javier Solana Anfang der Woche mit Laridschani zusammenkommt. Am Donnerstag treffen sich Diplomaten der Sechser-Runde USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland in Berlin. Die EU-Außenminister werden dann am 14. und 15. September bei einem Treffen in Brüssel erneut ihre Position im Atomstreit abstimmen. Anschließend soll die Debatte am Rande in New York beginnenden Vollversammlung der Vereinten Nationen fortgesetzt werden. Ahmadinedschad hat sich dem iranischen TV zufolge zu einer Rede dort angekündigt.
ler/dpa/AFP